Extrawurst

2019 eroberten beiden Drehbuchautoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob mit ihrem Stück „Extrawurst“ die Theaterbühnen. Da Christoph Maria Herbst ein enger Freund von Moritz Netenjakob ist und mit ihm auch erst kürzlich gemeinsam auf Lesetour unterwegs gewesen ist, lag eine Verfilmung des gesellschaftskritischen, doch humorvollen Stoffes nahe.
Tatsächlich hat Regisseur Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Trautmann“) den Stoff nun mit einem stargespickten Ensemble für die große Leinwand adaptiert – natürlich mit Christoph Maria Herbst…

Inhalt:

Im Tennisclub Lengenheide steht die Jahreshauptversammlung an. Unter der Führung des in die Jahre gekommenen, erneut ohne Gegenstimme wiedergewählten Dauerclubpräsidenten Heribert (Hape Kerkeling) scheinen auch die Abstimmungen über die Tagesordnungspunkte lediglich Formsache. Als der 2. Vorsitzende Matthias (Friedrich Mücke) jedoch den Kauf eines neuen Gasgrills ankündigt, der auch die zu Peakzeiten 50 Bratwürste abzuwickeln in der Lage ist, macht Melanie (Anja Knauer) den Vorschlag, einen zusätzlichen Grill für Muslime anzuschaffen, da sie kein Grillgut verzehren, das auf einem Grill mit Schweinefleisch zubereitet worden ist. Ihr Doppelpartner Erol (Fahri Yardim), das einzige muslimische Mitglied im Verein, will davon zunächst nichts wissen, doch als Matthias in der folgenden Diskussion den Begriff „Türkenwurst“ fallenlässt, schaltet sich auch Melanies Mann Torsten (Christoph Maria Herbst) ein, der findet, Matthias habe Erol gerade beleidigt. Als es im Vereinslokal laut wird und das Thema zunehmend polarisiert, verzieht sich der genervte Heribert mit den vier Kontrahent*innen in die Halle, um die Angelegenheit endgültig zu regeln. Stattdessen eskaliert das Streitgespräch so stark, dass die ganze Existenz des Tennisclubs Lengenheide bedroht ist.

Kritik:

Dass Rosenmüllers Film auf einem Theaterstück basiert, ist bei „Extrawurst“ stets zu spüren, denn die Geschichte ist nahezu strikt auf das Vereinsheim und seine Außenanlagen begrenzt, nur einmal begleitet die Kamera den alternden Tennisclub-Präsidenten nach Hause. Auch das Ensemble beschränkt sich fast ausschließlich auf die Figuren, die den Streit um die geplante Anschaffung des neuen Grills bzw. eines schweinefleischfreien Zweitgrills maßgeblich vorantreiben. „Extrawurst“ nimmt sich vor, der deutschen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, und indem die Autoren das bildreiche Vorbild echter Partei-, Vereins- oder Eigentümerversammlungen heranziehen, in denen einzelne Punkte bis zum Gehtnichtmehr ausdiskutiert werden, nimmt hier der Kulturkampf skurrile Formen an, wobei Inklusion, Toleranz und Doppelmoral entlarvt werden. Das ist stellenweise wunderbar auf den Punkt gebracht, wird aber auch immer wieder allzu albern und verliert so die beabsichtigte oder erwünschte Schärfe. Vor allem das rührselige, konstruierte Finale enttäuscht, so dass es am Ende die Spielfreude der gut aufgelegten Akteure ist, die „Extrawurst“ sehenswert machen.

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