Anna Karenina (1997)
Der zwischen 1875 und 1877 geschriebene Roman „Anna
Karenina“ von Leo Tolstoi gehört zu den großen Klassikern der
russischen Literaturgeschichte und wurde bereits mehrfach verfilmt, unter anderem
mit Greta Garbo, Jacqueline Bisset und Keira Knightley in der
Rolle der tragischen Titelfigur. Bernard Rose („Paperhouse“, „Candymans
Fluch“) versuchte sich 1997 an einer buchgetreuen Verfilmung, in der Sophie
Marceau und Sean Bean das unglückselige Liebespaar verkörperten.
Inhalt:
Als Konstantin Dmitrijewitsch Lewin (Alfred Molina) in
Moskau um die Hand der jungen und hübschen Fürstin Jekaterina Alexandrowna „Kitty“
Schtscherbatski (Mia Kirshner) anhält, macht er die bittere Erfahrung,
dass sie den Heiratsantrag ablehnt, da sie sich einen Antrag des attraktiven
jungen Kavallerieoffiziers Graf Alexei Kirillowitsch Wronski (Sean Bean)
erhofft. Dieser empfindet Sympathie für Kitty, hegt aber keinerlei
Heiratsabsichten.
Dafür verliebt er sich auf den ersten Blick in Anna Karenina
(Sophie Marceau), der er am Bahnhof, als er seine Mutter Gräfin
Wronskaja (Phyllida Law) vom Zug abholt, mit der Anna Karenina in einem
Abteil gereist war.
Ein tragischer Zwischenfall scheint wie ein böses Omen für
die Zukunft zu sein: ein Bahnhofsarbeiter stürzt, gerät zwischen die Gleise des
Zuges und wird vor den Augen der entsetzten Fahrgäste vom wieder anfahrenden
Zug überrollt und getötet.
Die mit dem viel älteren und gefühllosen Regierungsbeamten Alexei
Alexandrowitsch Karenin (James Fox) unglücklich verheiratete Anna flieht
förmlich vor Wronski und ihren Gefühlen heim nach St. Petersburg zu ihrem Mann
und ihrem Sohn Serjosha. Wronski verfolgt sie im selben Zug, fährt allerdings
in einem anderen Waggon. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Anna Karenina
schließlich doch auf eine Affäre mit Wronski ein und verstrickt sich dadurch in
den klassischen Strudel von Pflicht und Neigung. Ihre Beziehung zu Wronski wird
offenkundig, als dieser bei einem Pferderennen stürzt und sie darauf äußerst
entsetzt reagiert. Der durch die Affäre entstehende Skandal treibt Anna ihrem
tragischen Untergang zu…
Kritik:
Bernard Rose gelang es, erstmals eine „Anna
Karenina“-Verfilmung an Originalschauplätzen in Sankt Petersburg zu realisieren,
allerdings bleibt das Drama um Liebe und Leidenschaft jenseits etablierter
gesellschaftlicher Konventionen trotz imposanter Schauwerte recht blutleer. Das
mag der Tatsache geschuldet sein, dass Rose die Geschichte aus Lewins
Perspektive erzählen lässt, der Anna Karenina kaum gekannt hat und deshalb
keinen echten Zugang zu ihren Gefühlen finden konnte. Zwischen der anfänglichen
Leidenschaft zwischen der in ihrer Ehe gefangenen Anna Karenina und dem attraktiven
Grafen, der eine hohe Position ausschlägt, nur um in der Nähe seiner Geliebten
zu sein, und dem gemeinsamen Leben mit ihr klafft eine krasse Lücke, denn es wird
nicht deutlich, warum Wronskis Gefühle für Anna auf einmal nachlassen, sobald
sie in seinem Besitz ist. Gut herausgearbeitet ist dafür der gesellschaftliche
Druck, der auf den Männern lastet, die gezwungen sind, nach außen hin in jeder
Hinsicht den Schein zu wahren. Allerdings nimmt sich Rose nicht die
Zeit, die Leidenschaft seiner Figuren auch spüren zu lassen, so dass seine
Adaption des berühmten Stoffes doch sehr akademisch und blutleer daherkommt.
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