Wenn Woody Allen einmal aus seinem vertrauten Mikrokosmos
der problembehafteten New Yorker Intellektuellen heraustritt, kommen manchmal ganz
ungewöhnliche Geschichten ans Licht, so auch in seiner gesellschaftskritischen
Gaunerkomödie „Schmalspurganoven“ (2000), in der vor allem
Hauptdarstellerin Tracey Ullman zu Höchstform aufläuft.
Inhalt:
Der Tellerwäscher Ray Winkler (Woody Allen) möchte ein
besseres Leben mit seiner als Maniküre arbeitenden Gattin Frenchy (Tracey
Ullman). Um dies finanzieren zu können, plant der bereits einmal
inhaftierte ehemalige Kleinganove mit seinen beiden Kumpels Denny (Michael
Rapaport) und Tommy (Tony Darrow) einen Bankraub. Allerdings benötigt
er dafür die bislang hart erarbeiteten Ersparnisse über 6000 Dollar, um zum
Zwecke der Tarnung eine Keks-Bäckerei zu eröffnen, von der sie einen Tunnel bis
zum Geldhaus graben. Zwar geht der Bruch kläglich daneben, dafür erweisen sich Frenchys
Cookies als echter Verkaufsschlager, der zu einem erfolgreichen
Franchise-Unternehmen und Reichtum führt. Allerdings macht der plötzliche
Umgang mit dem Geldadel der Stadt vor allem Frenchy bewusst, dass man in Sachen
Kultur dringend Nachholbedarf hat. Sie engagiert den Emporkömmling David (Hugh
Grant), der dem Ehepaar Nachhilfe in Hochkultur geben soll. Während Ray
damit nichts anfangen kann und sich lieber mit den einfach gestrickten Leuten
von früher abgibt, muss Frenchy bald erkennen, dass es David nur um ihr Geld
geht…
Kritik:
Woody Allen erzählt mit „Schmalspurganoven“
die wortwörtliche Geschichte des gesellschaftlichen Aufstiegs vom Tellerwäscher
zum Millionär. Dass er dabei unkonventionelle Wege einschlägt, wird schon bei
der Planung des großen Coups deutlich, wenn Ray Winkler beim ersten Einsatz des
Bohrers im Keller der Cookie-Bäckerei eine Wasserleitung trifft und das
Unternehmen sprichwörtlich zum Kentern bringt, sich im Gegenzug aber das
Tarnunternehmen unerwartet als Goldgrube erweist. Mit dem Reichtum und dem
damit verbundenen Eintritt in die bessere Gesellschaft sind aber Erwartungen
und Verpflichtungen verbunden, denen die neureichen Winklers nicht gerecht
werden. Woody Allen nutzt die Gegenüberstellung von vermeintlicher Hochkultur
und gewöhnlichem Geschmack, um das affektierte Gebaren der verlogenen Oberschicht
vorzuführen. Es ist aber vor allem die für ihre Leistung mit einer
Golden-Globe-Nominierung bedachten Tracey Ullman („Bullets Over
Broadway“, „Ted Lasso“), die mit ihrem übersprühenden Charme den Film
nahezu allein auf ihren Schultern trägt.
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