Dass A. Scott Bergs preisgekrönte Biografie „Max
Perkins: Editor Of Genius“ aus dem Jahr
1978 das Zeug für eine interessante Verfilmung besitzen könnte, war
nicht unbedingt absehbar. Schließlich arbeiten Lektoren – auch wenn es so bedeutende
wie Max Perkins sind, der immerhin literarische Schwergewichte wie Ernest
Hemingway, F. Scott Fitzgerald und Thomas Wolfe unter seinen Fittichen
hatte – eher still im Hintergrund. Und doch erwarb der dreifach
Oscar-nominierte Dramatiker John Logan („Gladiator“, „Aviator“, „Skyfall“)
schon früh alle Rechte und verfasste das Drehbuch zu „Genius: Die tausend
Seiten einer Freundschaft“, das von Theaterregisseur Michael Grandage
für die Leinwand adaptiert wurde.
Inhalt:
Als der extrovertierte Schriftsteller Thomas Wolfe (Jude
Law) 1929 beim Verlagshaus Charles Scribner’s Son und dessen Lektor Max Perkins
(Colin Firth) vorstellig wird, rechnet er nur mit einer weiteren Absage,
doch die will er sich diesmal persönlich abholen. Umso überraschter ist er,
dass Perkins das Erstlingswerk veröffentlichen will. Allerdings bräuchte „O Lost“
nicht nur einen griffigeren Titel, sondern müsste auch um gut 300 Seiten
gekürzt werden. Davon ist Wolfe alles andere als angetan, aber er vertraut auf
die Fähigkeiten des Mannes, der immerhin schon Ernest Hemingway (Dominic
West) und F. Scott Fitzgerald (Guy Pearce) verlegt hat. Dennoch ist
Wolfe so begeistert von den 500 Dollar an Vorschuss und der Aussicht auf die
Veröffentlichung seines Buches, dass er zustimmt. Die Zusammenarbeit gestaltet
sich allerdings schwierig. Am Ende steht aber ein großartiger Erfolg. Der Roman,
der schließlich unter dem Titel „Schau heimwärts, Engel“ erscheint, wird in
mehreren Auflagen gedruckt und lässt Wolfe fast schon größenwahnsinnig werden.
Als er Perkins das 5000 Seiten umfassende Manuskript seines zweiten Romans „Von
Zeit und Strom“ vorlegt, gerät nicht nur die Freundschaft der beiden Männer zur
Belastungsprobe. Auch Wolfes verheiratete Geliebte Aline Bernstein (Nicole
Kidman) und Perkins‘ Frau Louise (Laura Linney) und die fünf Töchter
leiden unter der intensiven Arbeitsbeziehung der beiden Männer…
Kritik:
Auch wenn A. Scott Bergs Biografie „Max Perkins:
Editor Of Genius“ eher auf die Vielzahl großartiger Schriftsteller verweist,
die der Lektor bei Charles Scribner’s Son betreut hat, konzentriert sich Michael
Grandage Leinwand-Regiedebüt ganz auf die Beziehung, die Perkins mit seinem
neuen Shooting Star verband. Das ist insofern schade, als dass die ebenfalls
interessanten Figuren wie Hemingway und Fitzgerald nur auf Nebenschauplätzen
kurz bzw. sehr kurz zu sehen sind. Auf der anderen Seite hat Grandage so
mehr Raum für die heikle Arbeit zwischen Autor und Lektor vor allem
hinsichtlich wirklich umfangreicher Kürzungen. „Genius: Die tausend Seiten
einer Freundschaft“ fängt die intensive Arbeit an einem Manuskript
stimmungsvoll ein, wobei der still agierende Perkins und der temperamentvolle
Wolfe ein herrlich gegensätzliches Paar bilden, dem man einfach gern zusieht,
wie sie über die Arbeit an einem Buch streiten oder einfach nur einen Jazz-Club
besuchen und die Musik genießen. Dabei lebt der Film vor allem von den
großartigen Darstellern und der stimmigen Atmosphäre, während inszenatorische Feinheiten
oder gar Überraschungen ausbleiben.
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