Die Hand an der Wiege

Curtis Hanson liebt das Thriller-Genre. Das hat der Hitchcock-Adept bereits mit den beiden ausdrucksstarken Neo-Noirs „Das Schlafzimmerfenster“ (1987) und „Bad Influence“ (1990) hinreichend unter Beweis gestellt. Mit dem perfiden Home-Invasion-Thriller „Die Hand an der Wiege“ (1992) setzte Hanson seine persönliche Genre-Tradition fort und verschaffte Hauptdarstellerin Rebecca De Mornay den Durchbruch.

Inhalt:

Die Asthmatikerin und Hobby-Gärtnerin Claire Bartel (Annabella Sciorra) ist glücklich mit ihrem Mann Michael (Matt McCoy) verheiratet und erwartet nach Tochter Emma (Madeline Zima) ein zweites Kind. Nachdem ihr langjähriger Gynäkologe in den Ruhestand gegangen ist, geht sie für die anstehende Routineuntersuchung zu ihrem neuen Gynäkologen Dr. Mott (John de Lancie), der sie allerdings intimer begutachtet als es ihr angenehm ist und deshalb von ihr angezeigt wird, worauf sich weitere Opfer bei der Polizei melden. Als der Mediziner Selbstmord begeht und seine junge, hochschwangere Witwe erfährt, dass das Vermögen ihres Mannes wegen der bevorstehenden Schadensforderungen eingefroren wird, erleidet sie einen schweren Schock und verliert ihr Baby bei einer Frühgeburt.
Sechs Monate später suchen die Bartels ein Kindermädchen für ihren neugeborenen Sohn Joe. Nachdem sich die bisherigen Kandidatinnen als wenig vertrauenswürdig erwiesen, lernt Claire die sympathische Peyton Flanders (Rebecca De Mornay) kennen, die den Job auch ohne entsprechende Referenzen bekommt. Außerdem stellen sie den geistig beeinträchtigten Schwarzen Solomon (Ernie Hudson) ein, der ihnen einen neuen Gartenzaun bauen soll. Sowohl Peyton als auch Solomon gewinnen schnell das Vertrauen der Familie, doch als Solomon bemerkt, dass Peyton den kleinen Joe stillt und überhaupt einen Keil innerhalb der Familie zu treiben versucht, sorgt Peyton dafür, dass Solomon wegen des angeblich unangemessenen Umgangs mit Emma entlassen wird. Und auch Michaels Ex-Freundin, die mit der Familie befreundete Immobilienmaklerin Marlene (Julianne Moore), kommt Peytons Geheimnis auf die Spur…

Kritik:

Das Drehbuch von Amanda Silver („Avatar: Fire and Ash“, „Jurassic World“) zielt geschickt auf das Böse an, das sich in eine Familie einnistet und sie von innen zu zersetzen versucht. Rebecca De Mornay („Die drei Musketiere“, „Spiel mit dem Feuer“) überzeugt dabei in der Rolle der plötzlich vereinsamten und verarmten Witwe, die sich an der vermeintlichen Verursacherin ihres Leids zu rächen versucht und dabei die Rolle der Mutter und Ehefrau in dem Haushalt ihrer Feindin einnehmen will. Der Spannungsaufbau gelingt Curtis Hanson überzeugend. Er zeichnet das idyllische Portrait einer Bilderbuchfamilie, deren Glück durch ein rachsüchtiges Kindermädchen perforiert wird. Dabei scheint Peyton leichtes Spiel zu haben. Sie zeigt sich nicht nur in den richtigen Momenten besonders einfühlsam und kompetent, sondern auch als verführerische Femme fatale. Claire Bartel scheint als asthmatische Hausfrau ein leichtes Opfer zu sein. Untermalt von Graeme Revells („The Crow“, „Dead Calm“) spannungsgeladener Musik entwickelt sich ein packendes Psycho-Drama, das allein durch die unangemessene Besetzung Ernie Hudsons als geistig minderbemittelter Schwarzer einen unangenehmen rassistischen Einschlag erhält. Davon abgesehen fesselt „Die Hand an der Wiege“ aber als klassisches Psycho-Duell zweier Frauen im Kampf um ihr jeweiliges Familienglück.

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