Notre-Dame in Flammen

Als am 15. April 2019 kurz nach 18 Uhr Feuer im Dachstuhl von Frankreichs Nationalheiligtum Notre-Dame ausbricht und die Rauchsäulen zwischen den Türmen der gotischen Kathedrale kurz darauf um die Welt gingen, war eine ganze Nation geschockt. Jean-Jacques Annaud, der bereits durch seine Welterfolge mit „Der Name der Rose“ (1986) und „Sieben Jahre in Tibet“ (1997) sein Faible für spirituelle Themen zum Ausdruck gebracht hatte, hat sich 2022 der Aufgabe angenommen, die tragischen Ereignisse zu rekonstruieren, verzichtete bei „Notre-Dame in Flammen“ aber auf die opulente Bildsprache, die seine früheren Arbeiten auszeichneten.

Inhalt:

Paris, am 15. April 2019: Internationale Reisegruppen bestaunen beim Besuch von Notre-Dame die berühmte Architektur, die Montagsmesse wird vorbereitet, während die Restaurierungsarbeiten auf dem Dach vorangehen. Vielleicht ist es die Glut einer unerlaubt angezündeten Zigarette, vielleicht ein Kurzschluss, was den Brand und den Alarm auslöst, doch eine Überprüfung wertet den Alarm einmal mehr als Fehlalarm. Die zuvor aus dem Gebäude hinauskomplimentierten Besucher werden wieder hereingebeten, derweil werden von außen erste Rauchschwaden sichtbar, die bei Feuerwehr und der Notrufzentrale gemeldet werden. Als die Feuerwehr nach Umschiffung einiger Hürden endlich eintrifft, steht das Gebäude bereits in Flammen und droht einzustürzen. Unter Hochdruck arbeiten die Rettungskräfte und Krisenteams daran, das Schlimmste zu verhindern, doch die Steigleitungen sind defekt, der Wasserdruck zu gering, und schließlich ist die Einsturzgefahr zu groß, so dass nur noch ein Selbstmordkommando sich auf den noch begehbaren Nordturm wagt, um das Unmögliche zu schaffen. Und schließlich müssen auch die wertvollen Reliquien in Sicherheit gebracht werden…

Kritik:

Die Geschichte um den Brand der zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert erbauten gotischen Kathedrale bietet Stoff für einen klassischen Katastrophenfilm. Und so inszeniert Annaud „Notre-Dame in Flammen“ als minutiösen Ablauf der Ereignisse, ohne einen klassischen Helden wie in Hollywood-Filmen in den Mittelpunkt zu stellen. Stattdessen ist es ein Kollektiv von Feuerwehrleuten, das alles daransetzt, das Schlimmste zu verhindern, doch Pannen in der Umsetzung von Sicherheitsvorschriften, in der Nachrichtenübermittlung und Infrastruktur haben die Katastrophe erst ausgelöst und dann die Bekämpfung unnötig verschleppt. Annaud ist allerdings nicht daran interessiert, Schuldige zu finden, sondern widmet die Geschichte ganz den tapferen Feuerwehrmännern, die unter Einsatz ihres Lebens in das Gebäude gehen und den Brand zu bekämpfen versuchen. Er benutzte als „Double“ für Notre-Dame sowohl die romanische Kirche Saint-Paul in Sancé, wo alle Szenen von oben herab gedreht wurden, als auch die Kathedrale von Bourges und die Basilika Saint-Denis in Paris, dazu Dokumentaraufnahmen und nachgestellte Szenen, teilweise mit Emmanuel Macron, der allerdings nur Hände schüttelte, während US-Präsident Donald Trump die Idee kundtat, das Feuer mit Wassertanks aus der Luft zu löschen. Am Ende ist ein recht unentschlossener Film entstanden, der einen semi-dokumentarischen Charakter verströmt und allzu viele Figuren einführt, ohne einen narrativen Faden zu präsentieren.

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