Eine französische Frau

Régis Wargnier ist ein Mann für große Dramen. Davon zeugt sein Regiedebüt „Die Frau meines Lebens“ (1986) über einen bekannten Konzertviolinisten, der dem Alkohol verfällt, ebenso wie sein opulent ausgestattetes Kolonialdrama „Indochine“ (1992). Vor dem Hintergrund imperialistischer französischer Interessen spielt auch Wargniers 1995 entstandenes Melodram „Eine französische Frau“ mit Emmanuelle Béart und Daniel Auteuil in den Hauptrollen.

Inhalt:

Bei der Hochzeit seines Bruders lernt der Offizier Louis (Daniel Auteuil) mit Jeanne (Emmanuelle Béart) die schöne Schwester der Braut kennen, als sie bei Louis‘ Vater bleibt, der vor der Kirche vor Schwäche zusammenbricht. Die Hochzeit muss dann zwar verschoben werden, doch dann wird eine Doppelhochzeit draus, bei der sich auch Jeanne und Louis das Ja-Wort geben. Das eheliche Glück währt jedoch nur kurz, da mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Louis an die Front versetzt wird und in Kriegsgefangenschaft gerät. Sein Kamerad Henri (Samuel Le Bihan) kehrt 1944 nach Nancy zurück und beichtet Jeanne, dass er sich durch die Briefe und Fotos, die Jeanne ihrem Mann geschickt hat, in sie verliebt habe, worauf Jeanne eine Affäre mit dem Mann beginnt. Als Louis nach fünf Jahren nach Hause zurückkehrt und von der Beziehung seiner Frau mit Henri erfährt, will er sie freigeben, doch bittet Jeanne ihn, bei ihm bleiben zu dürfen, seien die anderen Männer doch nur ihr Trost in Zeiten großer Einsamkeit gewesen. Die beiden ziehen mit den Zwillingen, die Jeanne noch in Nancy zur Welt gebracht hat, ins zerstörte Berlin, um dem Druck der Familie zu entfliehen, doch auch hier haben die beiden kein Glück: Abermals wird Louis ins Ausland versetzt und Jeanne trifft auf den Deutschen Mathias (Gabriel Barylli), der die Liebe ihres Lebens werden wird. Auf Bitten seiner Frau lässt er sich nicht zum nächsten Kriegseinsatz verpflichten, sondern geht mit ihr und den Kindern als Militärattaché nach Damaskus. Bei einer Besichtigungstour eröffnet Jeanne ihm, dass sie ihn verlassen werde. Sie hat sich für Mathias entschieden, der kurz darauf erscheint, um sie mit sich zu nehmen, doch das will Louis auf keinen Fall zulassen…

Kritik:

Wargniers Drama haftet etwas sehr Episodenhaftes an. Er verfolgt ein Ehepaar und dessen Krisen vom Zweiten Weltkrieg an über die verschiedenen Stationen, die ein französischer Offizier entlang der französischen Ambitionen in Deutschland und Indochina abarbeitet, während seine Frau entweder daheim ihre Einsamkeit mit anderen Männern betäubt oder ihrem Mann nach Berlin oder Damaskus folgt, um auch dort alles andere als eine treue Ehefrau zu sein. Die Geschichte gibt dabei wenig Auskunft über die Motive der Personen. Abgesehen von Jeannes Erklärung, dass sie nur Trost in ihrer Einsamkeit gesucht habe, bleibt der Film jede weitere Erklärung schuldig und begnügt sich mit üppigen Bilderreigen mit exotischen Reizen wie den Trümmern im zerstörten Berlin oder den Ruinen, die in Damaskus von der Wiege der Zivilisation zeugen. In Trümmern liegt auch stets die Beziehung zwischen Jeanne und Louis, deren seltsame Anziehung füreinander trotz Jeannes anhaltender Seitensprünge nie erklärt wird. Allein die berauschenden Bilder und die großartigen Darsteller machen „Eine französische Frau“ sehenswert.

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