Bad Influence - Todfreunde
Dass Curtis Hanson („8 Mile“, „Am wilden Fluss“)
ein großer Fan von Spannungsmeister Alfred Hitchcock ist, hat der 2016
verstorbene Filmemacher bereits mit seinem kleinen, aber feinen
Neo-Noir-Thriller „Das Schlafzimmerfenster“ (1987) bewiesen, dessen
großes Vorbild „Das Fenster zum Hof“ unverhohlen zitiert wird. Auch mit
seinem nachfolgenden Thriller „Bad Influence“ (1990) präsentierte Hanson
einen stilvoll inszenierten Thriller, der allerdings an seiner Vorhersehbarkeit
scheitert.
Inhalt:
Michael Boll (James Spader) arbeitet erfolgreich bei
einem Finanzdienstleister in Los Angeles, hat sein eigenes Büro mit Assistentin
und zählt zu den aussichtsreichsten Kandidaten bei der Beförderung zum Datenanalytiker.
Doch dann verschwindet eine wichtige Datei samt Sicherheitskopie von seinem
Computer, wofür er seinen aalglatten Kollegen Patterson (Tony Maggio) verantwortlich
macht, der ebenfalls um den lukrativen Posten buhlt.
Als sich Michael in einer Bar von diesem Schock erholen will,
mischt er sich in einen Beziehungsstreit ein, zieht jedoch den Kürzeren, bevor
er unerwartet von einem Fremden (Rob Lowe) Hilfe bekommt, der den
temperamentvollen Schläger mit einer zerbrochenen Flasche in die Flucht
schlägt. Wenig später treffen sich Michael und sein Retter, der sich als Alex
vorstellt, am Strand und ziehen gemeinsam um die Häuser. Alex kennt die
schicksten und verruchtesten Clubs und weiß, wie man die schönsten Frauen
abschleppt. Michael ist so fasziniert von seinem neuen Freund, dass er sich auf
Dinge einlässt, die er sich vorher nie getraut hätte, doch dabei lernt er auch
Alex‘ dunkle Seite kennen, die ihn selbst in den Abgrund zu stürzen drohen…
Kritik:
Auch wenn das Drehbuch vom preisgekrönten Autor David
Koepp („Mission: Impossible“, „Jurassic Park“, „Panic Room“) stammt,
funktioniert „Bad Influence“ nicht wegen seiner abgründigen, am Ende
doch spannungsarmen, weil zu vorhersehbaren Geschichte, sondern wegen des coolen
Looks und des großartigen Soundtracks, zu dem Trevor Jones („From
Hell“, „Der letzte Mohikaner“) ein pulsierend packendes, elektronisch
eingespieltes Hauptthema beisteuerte und coole Songs von Nana Vasconcelos
and The Bushdancers, Les Négresses Vertes und Skinny Puppy enthält. Während
die Geschichte ganz auf die teuflische Verführung ausgerichtet ist, der der
bislang allzu brave Finanzexperte Michael unterliegt, als er dem mysteriösen
Alex begegnet, bleibt die Grenze zwischen Gut und Böse leider stets sehr
ausgeprägt und lässt keinen Raum für Grauzonen und Zwischentöne. Rob Lowe,
der kurz danach in einen Sexskandal verwickelt wurde, als ein Tape auftauchte,
auf dem zu sehen ist, wie er Sex mit einer Minderjährigen hat, spielt den diabolischen
Bösewicht Alex sehr überzeugend, während James Spader, der zuvor eher in
diesen Rollen besetzt wurde, als leichtes Opfer von Alex‘ Manipulationen recht
blass bleibt. Curtis Hanson gelingt es, durch die grandiose Kameraarbeit
von Robert Elswit („Good Night, and Good Luck.“, „Magnolia“) und
den fantastischen Soundtrack einen stilistisch perfekten Rahmen für seinen Neo-Noir-Thriller
zu schaffen, doch die schwache Story kann da leider nicht mithalten.


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