Anything Else
Spricht man über einen Woody-Allen-Film, spricht man
in der Regel auch über New York, Jazz und Neurosen. Insofern steht Allens
frühes Meisterwerk „Der Stadtneurotiker“ Pate für viele weitere Filme,
die der frühere Stand-Up-Comedian in verlässlicher Regelmäßigkeit präsentiert,
so auch für seinen 41. Film „Anything Else“.
Inhalt:
Der junge New Yorker Gag-Schreiber Jerry Falk (Jason
Biggs) wartet weiterhin auf seinen Durchbruch, den auch sein Agent Harvey (Danny
DeVito), dessen einziger Kunde Jerry ist, nicht herbeizuzaubern vermag.
Auch seine unberechenbare Freundin Amanda (Christina Ricci) macht ihm
das Leben schwer, denn die freigeistige Tochter der alkoholsüchtigen Sängerin Paula
(Stockard Channing) macht keinen Hehl daraus, sexuell nicht unbedingt
auf Jerry festgelegt zu sein, dem sie bereits seit einem halben Jahr den Sex
verweigert.
Zum Glück gibt es da den 60jährigen David Dobel (Woody
Allen), der ein Freund und Mentor von Jerry ist und ebenfalls als
Komödienautor arbeitet. Er rät ihm dringend, nicht auf Harveys Vertragsangebot
für weitere sieben Jahre einzugehen, sondern mit ihm zusammen in Kalifornien
sein Glück zu versuchen. Das Angebot erscheint ihm umso reizvoller, als Amanda ankündigt,
dass ihre Mutter für unbestimmte Zeit bei ihnen einziehen würde.
Bei langen Spaziergängen im Central Park lässt sich Jerry vom
paranoiden David mehr oder minder geistreiche Tipps geben, um es etwas im Leben
zu bringen und Liebesdinge besser zu regeln. Schließlich überredet er ihn
sogar, sich eine Waffe zuzulegen und Amanda hinterher zu spionieren…
Kritik:
„Anything Else“ mag kein besonders origineller Woody-Allen-Film
sein, aber mit der Fokussierung auf das Berufs- und Liebesleben eines
unsicheren jungen Gag-Schreibers macht Allen deutlich, dass junge New
Yorker unter den gleichen psychischen Problemen leiden wie der Filmemacher
selbst. Mit ebenso leichtem wie scharfem Ton seziert Allen, dessen Figur
davon träumt, einen kafkaesken Roman zu schreiben, das Liebesleben junger New
Yorker, die sich nicht festlegen wollen oder können. „American Pie“-Star
Jason Biggs und die vielseitige Christina Ricci („Sleepy
Hollow“, „Der Eissturm“) überzeugen in den Hauptrollen, wobei vor allem Riccis
als verführerisches Luder mit Leichtigkeit die Männer um den Finger zu wickeln
versteht. Woody Allen spielt zwar nur die dritte Geige, reißt seine Szenen
aber durch seine ungebremsten Monologe sofort an sich. Was „Anything Else“ dann
doch etwas von Allens früheren Werken unterscheidet, ist der forsche sarkastische
Ton und Radikalität, mit der Allen selbst zur Tat schreitet, wenn er
etwa das Auto zweier Prolls demoliert, die ihm einen Parkplatz streitig gemacht
haben. Geblieben ist zum Glück Allens gute Beobachtungsgabe, denn bei
all den bissigen Tiraden, die Allen vom Stapel lässt, stecken viele
Wahrheiten über die Befindlichkeiten des modernen Großstadtmenschen in den
Monologen und im Verhalten der Figuren, die sich immerzu hinterfragen, wie sie
lieben und leben sollen.




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