Liebestraum

Mit seinem bemerkenswerten Regiedebüt „Stormy Monday“ (1988) machte der ehemalige britische Rockmusiker Mike Figgis auch Hollywood auf sich aufmerksam, so dass er seinen nächsten Film „Internal Affairs“ (1990) bereits mit Stars wie Richard Gere und Andy Garcia umsetzen konnte. Sein anschließendes Werk „Liebestraum“ (das hierzulande auch unter dem Titel „Todestraum – Der letzte Zeuge schweigt“ bekannt ist) ist wieder eine Nummer kleiner geraten und zählt zu den weniger bekannten Werken des Mannes, der in der Regel auch die Musik zu seinen Filmen selbst komponiert.

Inhalt:

Als der junge Architekturprofessor Nick Kaminsky (Kevin Anderson) die Nachricht erhält, dass seine ihm unbekannte leibliche Mutter (Kim Novak) im Sterben liegt, macht er sich auf den Weg in die Kleinstadt Elverstown, Illinois, um sie zu besuchen. Als er im Hotel eincheckt, wird er auf ein Gebäude aufmerksam, das ihn interessiert. Als er die Baustelle aufsucht, trifft er unverhofft seinen alten Collegefreund Paul (Bill Pullman), dessen Bauunternehmen damit beauftragt ist, das alte Gebäude abzureißen, damit das ehemalige Ralston Building Platz für ein neues Einkaufszentrum machen kann. Noch während die beiden alten College-Freunde sich miteinander unterhalten, stürzt das massive „N“ des Ralston-Schriftzugs vom Dach auf die Straße, was Nick rechtzeitig bemerkt, um Paul und seinen Bauleiter wegzustoßen. Als Dank für die Lebensrettung lädt Paul Nick zu der Geburtstagsparty seiner Frau Jane (Pamela Gidley) ein, zu der sich Nick gleich hingezogen fühlt. Wie sich herausstellt, teilt sie Nicks Faszination an dem Ralston-Gebäude, in dem vor langer Zeit ein Doppelmord aus Eifersucht geschehen ist. Die Fotografin erkundet mit Nick das Gebäude, wobei sich die beiden näherkommen, während Paul nach Chicago gereist ist. Zwischen den Treffen mit Jane besucht Nick immer wieder seine sterbenskranke, oft sedierte Mutter, deren Geschichte ebenfalls mit der des Ralston Buildings verbunden ist…

Kritik:

Bereits mit seinem Debüt hat Mike Figgis sich vor allem als ambitionierter Stilist erwiesen, dem das Zusammenspiel von Bildern, Musik und Stimmungen wichtiger waren als die Geschichte, die er erzählen wollte. Auch „Liebestraum“ kann sich nicht von dem Vorwurf frei machen, dass die vorhersehbare Geschichte mit enttäuschend nichtsagenden Dialogen eher ein Alibi für die Stilübungen darstellt, die Figgis mit seiner jazzig angehauchten Ambient-Komposition und den kontrastreichen Bildern vollführt. Vor allem die Schwarzweiß-Bilder, die den Doppelmord vor vielen Jahren illustrieren, sind ganz dem Film noir verpflichtet, während die Handlung in der Gegenwart zumindest eine Neo-Noir-Atmosphäre versprüht, die auf bemerkenswert unaufgeregte Weise die Vergangenheit mit der Gegenwart mitsamt ihren von Leidenschaft geprägten Ereignissen verbinden. Dabei spielt Figgis geschickt mit Mystery- und Thriller-Elementen, entzieht sich aber einer klassischen Etikettierung. Das ist vor allem schön anzusehen, aber wirklich packend ist das nicht, weil die Charaktere auch zu flach geraten sind.

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