Les Misérables (2000)

Der 1862 veröffentlichte Roman „Les Misérables“ ist neben dem ein Jahr zuvor erschienenen „Der Glöckner von Notre-Dame“ das bekannteste Werk des französischen Schriftstellers und Politikers Victor Hugo (1802-1885) und zählt zu den meistverfilmten Geschichten der Weltliteratur. Im Jahr 2000 inszenierte die Regisseurin Josée Dayan den Klassiker als vierteilige Mini-Serie mit Gérard Depardieu und John Malkovich in den Hauptrollen – ergänzt von einem imposanten Ensemble, zu dem sich wie Christian Clavier, Jeanne Moreau, Charlotte Gainsbourg, Otto Sander, Veronica Ferres, Virginie Ledoyen und Asia Argento gesellen.

Inhalt:

Während der französischen Restauration zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschen Armut und Hunger. Der junge Jean Valjean (Guillaume Depardieu) wird wegen Brotraub zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt bringen, die er zwar lebend, doch unwiederbringlich gezeichnet und verbittert in eine tosende Leere hinein verlässt. Der Film spielt und behandelt das Schicksal des Jean Valjean, der nach einem Brotraub zu rund 20 Jahren Haft verurteilt wird.
Zwei Jahre vor seiner Haftentlassung rettet der sichtlich gealterte Valjean (Gérard Depardieu) bei einem Gefängnisbrand einem Gefangenen das Leben. Dafür werden ihm zwei Monate seiner Haft erlassen, die ihm der unerbittliche Inspektor Javert (John Malkovich) nach einem kleinen Zwischenfall zur bereits bestehenden Strafe hinzuzählt. Zwei Jahre und zwei Monate später wird Valjean nach rund 20 Jahren Gefängnishaft entlassen. Er kommt für eine Nacht in der Kirche des Bischofs Bienvenu (Otto Sander) unter und findet in ihm einen Wohltäter für Leib und Seele, und mit einer neuen Identität gelingt ihm schließlich ein harter gesellschaftlicher Aufstieg zu Reichtum und Ansehen. Sechs Jahre später ist Valjean unter dem Namen Monsieur Madeleine sozial aufgestiegen. In Montreuil ist er Bürgermeister und Inhaber einer Weberei, die Stoff aus Brennnesseln herstellt. In seiner Weberei arbeitet auch die junge Fantine (Charlotte Gainsbourg). Sie wurde einst von Valjeans Freund Felix geschwängert und von ihm verlassen. Ihr Kind Cosette gab sie nach zwei Jahren zu den Wirtsleuten Thénardier (Christian Clavier und Veronica Ferres), denen sie monatlich eine hohe Summe für die Pflege zahlen muss. Cosette wird von den Thénardiers als Magd gehalten. Als Fantines Vorgesetzte erfährt, dass sie ein uneheliches Kind hat, wird Fantine entlassen. Sie verdient sich ihr Geld nun mit Prostitution und fällt so Javert auf, der als Inspektor nach Montreuil versetzt wurde, um Monsieur Madeleines Geschäfte näher zu untersuchen. Als Javert sie nach der unberechtigten Beschwerde eines Bürgers einsperren lassen will, holt Valjean sie aus dem Gefängnis und gibt sie zur Pflege bei Nonnen. Nicht nur dieses eigenmächtige Handeln bringt Javert gegen Valjean auf. Javert bezichtigt den Bürgermeister, der ehemalige Häftling Valjean zu sein, nimmt seine Aussage jedoch zurück, als in Arras ein vermeintlicher Valjean verurteilt werden soll. Der echte Valjean begibt sich daraufhin nach Arras, wo er vor Gericht zugibt, selbst Valjean zu sein. Im Bewusstsein, in Kürze verhaftet zu werden, kehrt Valjean nach Montreuil zurück.
Einige Jahre später ist aus Cosette (Virginie Ledoyen) eine junge Frau geworden. Mit ihrer Kommunion stellt sich auch die Frage, ob sie als Nonne im Kloster bleiben wird. Sie entscheidet sich dagegen. Bei einer Besichtigungstour stellt Mutter Innozentia (Jeanne Moreau) dem Polizeipräfekten auch die beiden Gärtner des Klosters vor. Die Rede über den Wert der Verbrecher empört Valjean, der sich energisch gegen die Ansicht des Präfekten stellt und vorschlägt, Gefängnisse grundsätzlich abzuschaffen. Die Rede kommt Javert zu Gehör, der sofort Valjean hinter dem Gärtner vermutet. Er setzt durch, dass Mutter Innozentia ihn empfängt. Sie lügt vor ihm bezüglich Valjean und lässt sich später von anderen zur Strafe geißeln. Valjean jedoch verlässt mit Cosette das Kloster. Im Jardin du Luxembourg treffen beide auf Marius (Enrico Lo Verso), der sich sofort in Cosette verliebt. Er gibt Gavroche auf, die junge Frau zu suchen. Die erscheint kurz darauf mit Valjean, der sich nun Favre nennt, im Haus von Madame Gavroche, wo inzwischen auch die Familie Thénardier untergekommen ist, die sich Jandret nennt. Die Thénardiers sind gesellschaftlich weit abgesunken und den beiden jugendlichen Töchtern Éponine und Azelma geht es schlecht. Thénardier erkennt Valjean wieder, der der Familie im Namen des Klosters Almosen bringt. Er plant, sich an Valjean zu rächen, und auch Javert lässt in seinen Bemühungen nicht locker, Jean Valjean wieder ins Gefängnis zu bringen…

Kritik:

Die französische Filmemacherin Josée Dayan hatte bereits 1998 den Klassiker „Der Graf von Monte Christo“ mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle als Mini-Serie verfilmt. Was lag da näher, als auch die nächste große Literaturadaption mit dem französischen Star zu realisieren? Die knapp sechsstündige Verfilmung von Hugos Meisterwerk „Les Misérables“ nimmt sich viel Zeit für die Entwicklung der Figuren auf der einen Seite und das Katz- und Maus-Spiel zwischen Valjean und Javert auf der anderen Seite, wobei auch Thénardier nicht lockerlässt, sich an Valjean zu rächen, den er für seinen gesellschaftlichen Abstieg verantwortlich macht. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit ein vermeintlicher Krimineller immer ein Krimineller bleiben muss oder sich zum Besseren entwickeln kann. Diese Wandlung verkörpert Depardieu sehr überzeugend, doch es ist vor allem John Malkovich, der als gnadenloser Inspektor alles ihm in der Macht Stehende unternimmt, um Valjean wieder hinter Gitter zu bringen. Die politischen Umwälzungen werden dabei gekonnt in die Handlung als dramatische Kulisse verwendet. Trotz der vielen Verwicklungen und Täuschungsmanöver ist das sechsstündige Epos etwas lang geraten, wirkt am Ende etwas arg melodramatisch, doch die aufwändige Ausstattung und der spielfreudige Cast machen „Les Misérables“ durchaus sehenswert.

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