Als Produzent seiner eigenen Werke konnte es sich
Otto
Preminger („Anatomie eines Mordes“, „Sturm über Washington“)
leisten, auch unangenehme Themen wie die Rolle der katholischen Kirche während
der Nazi-Zeit und die politischen Mechanismen in Washington anzupacken. Mit
seinem letzten Film
„Der menschliche Faktor“ (1979) verfilmte er einen
Roman seines Freundes
Graham Greene, der mit seinem Werk wiederum die Enttarnung
des mit ihm befreundeten Doppelagenten
Kim Philby aufgearbeitet hatte.
Inhalt:
Der britische MI6-Beamte Maurice Castle (Nicol Williamson)
lebt unauffällig mit seiner Familie auf dem Land, eine Zugstunde von London
entfernt. Er und sein befreundeter Kollege Arthur Davis (Derek Jacobi),
ein unglücklich verliebter Junggeselle, arbeiten in der Sicherheitsabteilung
des britischen Außenministeriums. Als bekannt wird, dass vertrauliche Dokumente
aus der Abteilung in Moskau auftauchen, fällt der Verdacht sowohl auf den
biederen Castle als auch auf seinen Kollegen, den bei seinen Vorgesetzten als
Lebemann verschrienen Davis. Erschwerend kommt für Castles Vorgesetzte hinzu,
dass er die junge schwarze Südafrikanerin Sarah (Iman) geheiratet hat,
die von einem anderen Mann schwanger war. Der Spionageverdacht seiner drei
Vorgesetzten Dr. Percival (Robert Morley), Sir John Hargreaves (Richard
Vernon) und Colonel Daintry (Richard Attenborough) konzentriert sich
immer mehr auf Castles trinkenden Kollegen Davis. Als eine manipulierte Meldung
aus der Abteilung weitergegeben wird, scheint Davis enttarnt, und er wird
eliminiert. Castle gerät nach dem Tod seines Kollegen nun immer mehr in die
Bredouille. Er wird damit beauftragt, mit der südafrikanischen Geheimpolizei
zusammenzuarbeiten. Als er erfährt, dass auch Connelly (Tony Vogel) tot
ist, beschließt er, nicht weiter für den sowjetischen Geheimdienst zu
spionieren…
Kritik:
Wenn ein Perfektionist wie Otto Preminger in die Welt
der britischen Spionage zur Zeit des Kalten Krieges eintaucht und die Beziehungen
der Westlichen Welt zum damaligen Apartheidregime in Südafrika thematisiert,
darf man nicht mit einem Action-Marathon à la James Bond rechnen. Stattdessen
demonstriert „Der menschliche Faktor“ haarklein die triste Bürokratie im
Spionagewesen und verlegt sich auf die Brüchigkeit menschlicher Bindungen. In
den Rückblenden, die aufzeigen, wie Castle in Südafrika Sarah kennen und lieben
lernte, wird deutlich, welches Risiko er einst eingegangen ist, um Sarah nach
England zu bringen und dort mit ihr und ihrem Sohn zusammenzuleben. Die Suche
nach dem Leck in der Südafrika-Abteilung wird zur Belastungsprobe nicht nur für
Castle Beziehung zu Sarah, sondern auch zu seinem Arbeitgeber. Preminger
inszenierte das Drama mit ruhiger Hand und konzentrierte sich ganz auf das
Zusammenspiel der Figuren. Das wirkt im Ganzen zwar unspektakulär, wird aber
durch die großartigen Darsteller mehr als sehenswert.
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