Bon Voyage

Jean-Paul Rappeneau hat bereits in seinem Debüt „Leben im Schloss“ (1966), dem romantischen Belmondo-Abenteuer „Musketier mit Hieb und Stich“ (1971), „Die schönen Wilden“ (1975) und „Feuer und Flamme“ (1982) sein komödiantisches Talent unter Beweis gestellt. Etwas ernster geht es in „Bon Voyage“ (2003) zu, der in den Wirren des Zweiten Weltkriegs spielt, als sich die Franzosen auf der Flucht vor den Deutschen nach England retten wollen. Doch auch vor diesem ernsten Hintergrund gelingt es dem Routinier, leichte Töne anzuschlagen.

Inhalt:

Frankreich, 1939: Die Überraschung ist groß bei dem Schriftsteller Frédéric Auger (Grégori Derangère), als er einen Anruf von seiner Jugendliebe, der erfolgreichen Schauspielerin Viviane Denvers (Isabelle Adjani), erhält. Doch bei dem stürmischen Wiedersehen in ihrer exklusiven Wohnung wird er mit der traurigen Realität konfrontiert, dass Viviane ihn nur zu sich in die Wohnung holte, um eine Leiche zu entsorgen. Leider setzt er den Wagen bei starkem Regen ausgerechnet gegen eine Polizeinotrufsäule, wobei der aufgeklappte Kofferraum die zu entsorgende Leiche freilegt und den ahnungslosen Frédéric direkt ins Gefängnis bringt. Doch als sich die deutschen Truppen Paris nähern, kann er gemeinsam mit seinem Zellennachbarn Raoul (Yvan Attal) fliehen, bis er in einem Hotel auf eine illustre Gesellschaft trifft: Neben dem Politiker Jean-Étienne Beaufort (Gérard Depardieu), den Viviane um Hilfe angefleht hat, und der Schauspielerin sind auch der für die Deutschen spionierende Reporter Alex Winckler (Peter Coyote), der jüdische Physik-Professor Kopolski (Jean-Marc Stehlé) und dessen Assistentin Camille (Virginie Ledoyen). Während sich die politische Situation immer weiter zuspitzt, überlegen die Hotelbewohner, wie mit den Nazis im noch weit entfernten Paris umgegangen werden soll. Parallel dazu entwickeln sich romantische Geplänkel und der jüdische Professor möchte mit einer gefährlich-wertvollen Fracht nach London gelangen…

Kritik:

Jean-Paul Rappeneau („Cyrano von Bergerac“, „Der Husar auf dem Dach“) ist mit „Bon Voyage“ ein turbulent inszenierter Genre-Mix gelungen, der sich nicht so recht entscheiden mag, ob er Kriegs-Drama, Liebeskomödie oder Spionage-Thriller sein möchte. Der Einmarsch der deutschen Truppen im Jahr 1940 zwingt die vielfältigen Akteure aus Politik, Wissenschaft, Unterhaltung und Verbrechen zu hektischem Handeln, das oft etwas unübersichtlich erscheint, sich zum Glück aber immer wieder auf die persönlichen Momente zwischen den entscheidenden Akteuren fokussiert. So wird schnell deutlich, dass die attraktive Viviane ihren offen zur Schau getragenen Charme nur einsetzt, um unbeschadet aus der Affäre um den Toten herauszukommen, dass sich zwischen der charmanten Camille und den beiden aus dem Gefängnis Geflüchteten eine etwas tiefere Beziehung entwickelt und dass die Deutschen natürlich hinter dem Schweren Wasser her sind, das ihnen beim Bau einer Atombombe nützlich sein würde. All diese letztlich miteinander verwobenen Plots schmiedet Rappeneau kunstvoll zusammen, wobei der namhafte Cast kaum glänzen muss, um das Publikum mitzureißen. 

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