Peggy Sue hat geheiratet

Nachdem Francis Ford Coppola sein Handwerk Anfang der 1960er Jahre in der B-Movie-Schmiede von Roger Corman erlernt hatte, dauerte es bis 1969 und dem von ihm inszenierten Drama „Liebe niemals einen Fremden“, dass Coppola als ernsthafter Regisseur wahrgenommen wurde. Mit den beiden „Der Pate“-Filmen (1972/1974), dem Antikriegs-Drama „Apocalypse Now“ (1979) und dem Thriller „Dialog“ (1974) katapultierte sich der Filmemacher flugs in die A-Liga, bewies mit Filmen wie „Rumble Fish“ (1983) und „Cotton Club“ (1984) sein Gespür für nostalgische Period-Filme. Dass er auch leichtere Stoffe in Szene zu setzen vermag, demonstrierte Coppola mit „Peggy Sue hat geheiratet“ (1986) – nachdem er das Projekt von Penny Marshall übernommen hatte.

Inhalt:

Als Peggy Sue (Kathleen Turner) zu einem 25-jährigen Jubiläumsklassentreffen eingeladen wird, steht auch eine Begegnung mit ihrem Mann Charlie (Nicolas Cage) bevor, von dem sie sich scheiden lassen will, da er es lieber vorzieht, sich mit anderen Frauen zu vergnügen, anstatt sich um seine Familie zu kümmern. Ihre Tochter Beth (Helen Hunt) begleitet sie, damit sie nicht auf Charlie, der ein lokal bekannter Ramschkönig ist, angesprochen wird. Da die Abschlussklasse aber natürlich an so einem Ereignis in Erinnerungen schwelgt, wird auch die Ehe zwischen Peggy und Charlie thematisiert, die gleich nach der High-School geheiratet haben. Als Peggy daraufhin, neben dem ehemaligen Nerd Richard Norvik (Barry Miller), auch noch zur Ballkönigin gewählt wird, fällt sie in Ohnmacht. Als sie wieder erwacht, findet sie sich im Jahr 1960 bei einer Blutspendenaktion wieder. Zuerst glaubt sie, sie sei während des Klassentreffens verstorben, doch je mehr sie von ihrer alten Zeit wiederentdeckt, desto mehr wird ihr klar, dass sie wohl wirklich eine Zeitreise unternommen haben muss. Die Erkenntnis fällt ihr schwer, schließlich ist sie eine gestandene Mutter, Hausfrau und Erwachsene gewesen, die sich nun den Zwängen der Jugend unterwerfen muss. Nicht nur, dass sie den Mathematiklehrer wegen der Nutzlosigkeit von Algebra kritisiert, sie darf sich nicht einmal mehr alkoholhaltige Getränke gönnen. Allerdings sieht sie auch die Chance, Dinge in ihrem Leben zu korrigieren. So trennt sie sich zuerst von Charlie und nähert sich dann ihren Mitschülern Michael Fitzsimmons (Kevin J. O'Connor) und dem Außenseiter Norvik an.
Da Peggy Sue die Zukunft und alle ihre Entwicklungen bis ins Jahr 1985 bereits kennt, weiß sie, welche Investitionen in Technologien sich lohnen werden, und erzählt Norvik von Stereoanlagen, Mikrowellenherden und Taschenfernsehern. Zwar versucht der eifersüchtige Charlie immer wieder, Peggy davon zu überzeugen, wie sehr er sie liebt, doch hat diese ihn und seine Lügen satt, widmet sich viel lieber dem angehenden Poeten Fitzsimmons und nähert sich ihm nicht nur intellektuell, sondern auch körperlich. Als Charlie von dem nächtlichen Treffen erfährt, ist er außer sich und offenbart Peggy Sue erneut seine Gefühle…

Kritik:

Ein Jahr nach Robert Zemeckis Zeitreise-Abenteuer „Zurück in die Zukunft“ kommt Coppolas thematisch ähnlich angelegter Film etwas entspannter daher, folgt vor allem der Frage, wie man die Fehler in seinem Leben rückgängig machen könnte, wenn man in der Lage ist, aus der zukünftigen Perspektive auf sein Leben zurückzublicken. Bei Peggy Sue reicht ein einfacher Ohnmachtsanfall, um sie zurück ins Jahr 1960 zu katapultieren und ihr Leben noch einmal mit dem Wissen um ihre Zukunft zu durchleben. So charmant und staunend sich Kathleen Turner („Der Rosenkrieg“, „Heißblütig – Kaltblütig“) als ihr jüngere Peggy Sue durch ihr früheres Leben bewegt, so interessant scheint, dass sie eben nichts an ihrem Leben ändert. Um den Buddy-Holly-Song „Peggy Sue Got Married“ herum erzählt Coppolas Film eine schön dekorierte, aber letztlich recht blutleere Love-Story mit nostalgischem Flair und coolem Soundtrack. Während Kathleen Turner noch überzeugend die staunende Frau verkörpert, die sich nach einer Zeitreise in ihren frühen Erwachsenenjahren wiederfindet, wirkt das Spiel von Coppolas Neffen Nicolas Cage, den Coppola bereits überzeugender in „Cotton Club“ und „Rumble Fish“ eingesetzt hatte, zu flippig, um glaubhaft als Schürzenjäger durchzugehen. Vor allem mangelt es dem Film an dem Mut, mehr aus dem spannenden Zeitreise-Thema zu machen.

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