Der blutige Pfad Gottes
Wenn man Willem Dafoe („Wild at Heart“, „Shadow of
the Vampire“) die Möglichkeit bietet, exaltierte Figuren zu verkörpern, ist
dies für jede Art von Film ein Gewinn. Das trifft insbesondere auf das Regiedebüt
von Troy Duffy zu, der 1999 mit „Der blutige Pfad Gottes“ ein überdrehtes
Unterwelt-Action-Werk inszenierte, das erst in der Zweitauswertung auf dem
Videomarkt zu einem Kulthit avancierte.
Inhalt:
Die im von Iren geprägten South Boston lebenden Brüder
Connor (Sean Patrick Flanery) und Murphy McManus (Norman Reedus) sind
schockiert, als einige Schläger der Russen-Mafia ausgerechnet am Saint
Patrick’s Day den Lieblings-Pub der beiden ebenso trinkfesten wie tiefgläubigen
Katholiken schließen wollen, und setzen mit ihren Kumpels den unerwünschten
Gästen ordentlich zu. Am Tag darauf suchen zwei der verletzten Russen Connor
und Murphy in deren Wohnung auf, um sich für die am Vortag erlittene Tracht
Prügel zu rächen. Sie ketten Connor mit einer Handschelle an der Toilette fest
und bringen Murphy aus der Wohnung, um ihn vor dem Haus zu erschießen. Connor
kann sich jedoch befreien und in letzter Sekunde Murphy retten. Dabei wirft
Connor die herausgerissene Toilettenschüssel auf einen der Gangster, den
zweiten überwältigt er, indem er ihm aus dem 5. Stock auf den Kopf springt. Die
Bostoner Polizei tappt zunächst über Tathergang und Motive im Dunkeln.
Die Leichen rufen aber das FBI auf den Plan. Agent Paul
Smecker (Willem Dafoe), bekannt für seine abgefahrenen
Untersuchungsmethoden, wird der lokalen Polizei zugeteilt, um in dem Fall zu
ermitteln. Der kultivierte Smecker ist gar nicht angetan von dem Gedanken, mit
den prolligen und absolut ahnungslosen Cops um Detective Greenly (Bob Marley)
zusammenarbeiten zu müssen. Nachdem die MacManus Brüder sich stellen, wird ihr
Fall offiziell als Notwehr eingestuft, und sie werden als Helden entlassen. Dadurch
bestärkt und zusätzlich noch durch eine nächtliche Vision animiert, fühlt sich
das Duo dazu berufen, das gesamte organisierte Verbrechen der Stadt Boston zu
bekämpfen…
Kritik:
Auf den ersten Blick gibt die Story von „Der blutige Pfad
Gottes“ nicht viel her. Schließlich lässt sich diese auf einen Bandenkrieg
zwischen von Gott berufenen irischen Brüdern und der Russen-Mafia reduzieren.
Doch die Art und Weise, wie Drehbuchautor und Regisseur Troy Duffy seine
Figuren einführt und aufeinander losgehen lässt, ist von harter Action, derbem
Humor und coolen Ideen geprägt. Mit den beiden irisch-katholischen
Zwillingsbrüder schickt Duffy zwei unerschrockene Racheengel in den
Kampf gegen die Unterwelt, die fortan wenig Glück dabeihat, ihr Revier zu
verteidigen. Schließlich geht es für die beiden Boten Gottes um nicht weniger,
als gegen das menschliche Verbrechen und die Sünde vorzugehen. Diese zuweilen
aufgesetzt wirkende Art von Humor mag dabei ebenso wenig jedermanns Sache sein
wie die skrupellose Art von Selbstjustiz, die hier propagiert wird. Doch
wirklich interessant wird „Der blutige Pfad Gottes“ vor allem durch Willem
Dafoes Verkörperung des unorthodox agierenden, aber genialen FBI-Agenten
Smecker. Gerade durch Duffys Kniff, immer wieder erst das Ergebnis von
Connors und Murphys Rachefeldzug zu zeigen, um dann in Rückblenden das
eigentliche Geschehen aufzuarbeiten, das von Smeckers Analysen im Off begleitet
wird, erhält der Action-Spaß seine einzigartige Qualität, die erst zehn Jahre
später fortgesetzt wurde.
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