Der Kardinal

Mit Filmen wie „Laura“ (1944), „Mord in der Hochzeitsnacht“ (1945), „Faustrecht der Großstadt“ (1950), „Engelsgesicht“ (1952) und „Der Mann mit dem goldenen Arm“ (1955) war Otto Preminger einer der versiertesten Film-noir-Regisseure, machte sich aber auch mit prominent besetzten Dramen wie „Fluss ohne Wiederkehr“ (1954) oder „Sturm über Washington“ (1962) einen Namen. Weit weniger bekannt ist „Der Kardinal“ (1963), seine Verfilmung eines Bestsellers von Henry Morton Robinson, der die fiktive Biografie eines US-amerikanischen Kardinals aufarbeitet.

Inhalt:

Stephen Fermoyle (Tom Tryon), Sohn eines einfachen Straßenbahnschaffners, wächst zur Jahrhundertwende in Boston auf. Von seiner Berufung überzeugt, wird Fermoyle 1917 zum Priester geweiht. Fermoyle fühlt sich der katholischen Kirche so eng verbunden, dass sein Dogmatismus die Hochzeit seiner Schwester Mona (Carol Lynley) mit einem Juden verhindert. Sie ist von ihrem starrsinnigen Bruder so enttäuscht, dass sie die Stadt verlässt und sich ihren Lebensunterhalt als Tänzerin verdient. Als Mona Jahre später während ihrer Schwangerschaft schwer erkrankt, entscheidet Stephen, dass das Leben des ungeborenen Kindes Vorrang hat: Mona stirbt so zwar eines „natürlichen“ Todes, aber unter Qualen. Obwohl sein Mentor Glennon (John Huston) bereits eine Karriere seines Sekretärs beim Vatikan eingefädelt hat, wird Fermoyle so von seinen Gewissensbissen geplagt, dass er auch Glennons Vorschlag hin sein Priesteramt ruhen lässt, bis er eine Entscheidung über seine Zukunft in der Kirche getroffen hat. Anfang der 1920er Jahre arbeitet Fremoyle als Sprachlehrer in Wien und verliebt sich zu Beginn der Ferien in die hübsche Studentin Annemarie (Romy Schneider). Aber Stephens Berufung zum Priesteramt erweist sich letztlich trotz Zölibat als stärker. Innerlich gereift tritt er in die Dienste des Vatikans, bis er 1938 in päpstlicher Mission nach Wien zurückkehrt. Fermoyle soll nach dem Anschluss Österreichs nationalsozialistischen Terror verhindern helfen. Aber die Politik erweist sich als viel mächtiger – und er muss tatenlos zusehen, wie Annemarie von der Gestapo gefangen gehalten wird…

Kritik:

„Der Kardinal“ erzählt nicht nur vom Werdegang des US-amerikanischen Priesters Stephen Fermoyle, sondern auch von den damit einhergehenden Prüfungen sowohl des Gewissens als auch körperlicher Bedürfnisse, wobei sich das Drama trotz fast dreistündiger Dauer leider nicht die Mühe macht, diese Herausforderungen tiefergehend zu behandeln. Die erste Gewissensprüfung wird dem jungen Priester auferlegt, als er darüber zu entscheiden hat, ob seine Schwester oder das Kind, das sie nicht auf natürliche Weise zu Welt bringen kann, sterben soll, und da sich Fermoyle dem Gebot „Du sollst nicht töten“ verpflichtet sieht, kann er sich nicht dazu durchringen, den Kopf des Ungeborenen zu zertrümmern. Stattdessen lässt er seine Schwester qualvoll sterben. Doch diese Entscheidung wird ähnlich kurz abgehandelt wie die Liaison, die zwischen ihm und der Studentin Annemarie am Entstehen ist. Mit dem Entschluss, seine Liebe weiterhin Gott zu schenken, hat sich die Episode – fast – erledigt. Erst als er 1938 im Auftrag des Vatikans nach Wien zurückkehrt, um den päpstlichen Einfluss zur Eindämmung des nationalsozialistischen Terrors geltend zu machen, wird er erneut mit seiner damaligen Entscheidung für die Kirche und gegen eine Beziehung mit Annemarie konfrontiert. Immerhin macht der Film grundsätzlich deutlich, woran es im katholischen Glauben krankt, doch überwiegen die melodramatischen Elemente. Das opulent ausgestattete und wunderbar gespielte Drama erhielt zwar sechs Oscar-Nominierungen, gewann aber keine einzige der begehrten Trophäen. 

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