Max mon amour

Mit dem skandalträchtigen „Im Reich der Sinne“ (1976) und dem Kriegsdrama „Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence“ (1983) machte der japanische Filmemacher Nagisa Ōshima auch international auf sich aufmerksam. Mit seinem vorletzten Film „Max mon amour“ (1986) präsentierte der 2013 verstorbene Mitbegründer der japanischen New-Wave-Bewegung allerdings nur eine zahme Gesellschaftssatire.

Inhalt:

Als Peter Jones (Anthony Higgins), Angestellter an der britischen Botschaft in Paris, erfährt, dass seine Frau Margaret (Charlotte Rampling) nicht wie angekündigt ihre Freundin Hélène (Nicole Calfan) besucht hat, beauftragt er einen Detektiv (Pierre Étaix), der herausfindet, dass Margaret seit geraumer Zeit schon ein Apartment gemietet hat, in dem sie jeden Tag zwei Stunden verbringt, offenbar mit einem Liebhaber, doch wurde bislang noch kein Mann gesichtet, der das Apartment betreten oder verlassen hätte. Als er sich einen Schlüssel und die Adresse des geheimen Apartments seiner Frau besorgt, erwischt Peter sie im Bett mit einem Schimpansen! Nach anfänglichem Entsetzen interessiert sich Peter dafür, was Margaret mit dem Affen namens Max genau im Bett anstellt, und schlägt vor, Max in der gemeinsamen Wohnung aufzunehmen. Margaret stimmt dem Voraschlag nach kurzem Zögern zu. Fortan versucht die Familie nun, sich mit dem nicht immer pflegeleichten Affen zu arrangieren. Margaret erklärt Peter, er könne, falls er eifersüchtig sei, den Affen töten; er würde ja nicht wegen Mordes belangt. Doch allmählich freundet sich auch Peter mit dem Gefährten seiner Frau an…

Kritik:

Wer bei „Max mon amour“ mit ähnlich skandalträchtig obsessiven Szenen einer obsessiven erotischen Beziehung wie in „Im Reich der Sinne“ rechnet, wird enttäuscht sein. Außer dem blanken Busen einer Prostituierten, die Peter engagiert hat, damit er dabei zusehen kann, wie Max mit einer Frau schläft, bietet Ōshimas Film nichts für die Freunde erotischen Kinos. Es ist dann doch eher der Bruch mit den Konventionen, das Spiel mit der Vorstellung, dass Frauen nicht nur mit Pferden oder Hunden Sex haben, sondern auch mit Geschöpfen aus dem Tierreich, die der menschlichen Spezies sehr ähnlich sind. Zwar beschreibt Margaret auf Drängen ihres Mannes, wie sie Max im Zoo kennengelernt, wie er sie schließlich ausgewählt hat, aber die Art ihrer Liebe bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis. Charlotte Rampling („Fahr zur Hölle, Liebling“, „Angel Heart“) überzeugt immerhin als modebewusste Schönheit in einer unorthodoxen Beziehung, wobei Godard-Kameramann Raoul Coutard („Vorname Carmen“, „Alphaville“) die bizarre Familiengroteske eher nüchtern fotografiert hat. Am Ende verblasst die Faszination für Max als Liebhaber einer Frau vor dem Charme der Nebendarstellerinnen Victoria Abril („Das Gesetz der Begierde“, „Die Waffen einer Frau“) und Sabine Haudepin („Jules und Jim“, „Die letzte Métro“). Ansonsten ist Ōshimas Spätwerk im Kontext seiner Werksbiografie eher zu vernachlässigen.

 

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