The Hunter
Dem Cineasten kann eigentlich kaum was Besseres passieren,
als einen herausragenden Charakterdarsteller wie Willem Dafoe („Platoon“,
„Spider-Man“, „Wild at Heart“) in einer One-Man-Show zu erleben. Diese
Möglichkeit bietet nämlich das Regiedebüt von Daniel Nettheim, der mit „The
Hunter“ (2011) den gleichnamigen Roman der Australierin Julia
Leigh verfilmt hat.
Inhalt:
Martin David (Willem Dafoe) ist eine Art Söldner, der
auf das Jagen und Eliminieren von Menschen spezialisiert ist. Sein neuer
Auftrag ist in dieser Hinsicht ungewöhnlich, wird David von einem mysteriösen
Biotech-Konzern in die Wildnis Tasmaniens geschickt, um das letzte lebende Exemplar
des seit den 1930er Jahren als ausgestorben geltenden Tasmanischen Tigers ausfindig
zu machen, um Gewebeproben zu entnehmen und die Überreste verschwinden lassen. Offenbar
wurde das Tier in letzter Zeit gesichtet.
Vor Ort quartiert sich der Eigenbrötler und
Überlebenskünstler zunächst als Untermieter bei der verwitweten Lucy Armstrong
(Frances O‘Connor) und ihren zwei Kindern Sass (Morgana Davies)
und Bike (Finn Woodlock) ein - der Ehemann gilt nach einer ähnlichen
Expedition seit Monaten als vermisst. Tipps für seine Jagd in dem nicht
kartografierten Gelände erhält David von Jack Mindy (Sam Neill), einem
Freund der Familie. David unternimmt jeweils gut zweiwöchige Expeditionen in
die unwegsame Wildnis, legt sich auf die Lauer und kehrt unverrichteter Dinge
wieder zu den Armstrongs zurück, um dort zeitweise die Rolle des Ersatzvaters
und -ehemanns zu übernehmen, bis er wieder in die Wildnis zieht. Als Davids Auftraggeber
unruhig werden, schicken sie einen zweiten Mann hinterher…
Kritik:
Auch wenn der Titel „The Hunter“ vermuten lässt, dass
es sich hier um einen Action-Film handelt, belehrt Daniel Nettheim sein
Publikum schnell eines Besseren. Nachdem Willem Dafoes Figur seinem
Auftraggeber schnell klargemacht hat, dass er ohne die vorgeschlagene Begleitung
besser arbeitet, verfolgen wir entspannt, wie sich der Söldner akribisch auf
seinen Job vorbereitet, zum Zielgebiet gelangt und sich zunächst mit der sehr
einfachen und stromlosen Unterkunft nicht anfreunden mag, um sich dann in einem
eskalierenden Streit zwischen ortsansässigen Arbeitern und Naturschützern wiederzufinden.
Die geduldige Jagd auf den fast schon mythischen Tasmanischen Tiger, die nahezu
nur aus dem Auslegen der Fallen und geduldigen Warten besteht, wird durch
grandiose Landschaftsaufnahmen der Tasmanischen Wildnis unterstrichen, dazwischen
findet David immer wieder den Weg zurück zur Familie Armstrong, wo er eine ungewohnte
Art von Nähe und Vertrauen erlebt. Mit dem Auftauchen des Auftragskillers kommt
aber nur kurz etwas Spannung und Action auf, danach widmet sich „The Hunter“
wieder der geduldigen Jagd auf ein Tier, das es vielleicht wirklich nicht mehr
gibt. Mit seiner bewusst unaufgeregten Inszenierung, den großartigen
Landschaftsaufnahmen von Robert Humphreys („Triangle“) und Willem Dafoes subtiler Darstellung ist „The
Hunter“ eher ein Selbstfindungsdrama, eine Charakterstudie, weniger ein
Action-Thriller.
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