Kurzer Prozess – Righteous Kill
In den 1990er Jahren hatte der Filmemacher Jon Avnet
einen wunderbaren Lauf, als er mit Dramen wie „Grüne Tomaten“, „Das Baumhaus“
und „Red Corner“ überzeugen konnte. Doch als Thriller-Regisseur taugt Avnet
nicht. Nachdem er bereits 2007 mit Al Pacino „88 Minuten“ kläglich
versenkt hatte, erging es kurz darauf „Kurzer Prozess – Righteous Kill“
(2008) nicht besser – und das trotz des Star-Duos Al Pacino und Robert
De Niro in den Hauptrollen.
Inhalt:
Innerhalb der Reihen der NYPD gehören Tom „Turk“ Cowan (Robert
De Niro) und sein Partner David „Rooster“ Fisk (Al Pacino) mit
jeweils dreißig Dienstjahren zu den erfahrensten Ermittlern. Sie untersuchen
einen Mordfall an einem Verdächtigen, der allerdings vom Gericht freigesprochen
wurde. Neben der Leiche liegt ein Spottgedicht. Bald gibt es einen weiteren
Toten, der ebenfalls ein freigesprochener Verdächtiger war. Auch neben seiner
Leiche findet sich ein Spottgedicht. Sie stellen fest, dass die Morde
Ähnlichkeiten mit einem Fall aufweisen, den sie einige Jahre zuvor bearbeitet
hatten. Damals kam es zu einer Verhaftung, weil Turk Beweise fälschte. Turk und
Rooster vermuten, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben. Als in der
Folge weitere Personen ermordet werden, gegen die zuvor von der Polizei
erfolglos ermittelt worden war, äußern Turks und Roosters jüngere Kollegen
Teddy Ridley (Donnie Wahlberg) und Simon Perez (John Leguizamo)
den Verdacht, dass ein Polizist Selbstjustiz begeht. Schließlich gerät Turk ins
Visier der Ermittlung, da er zu vielen Fällen der Getöteten Verbindung hat und
ohnehin zu Gewalttätigkeiten neigt.
Während sie dem Mörder eine Falle stellen wollen,
konzentrieren sich Turk und sein Partner auf ihre Ermittlungen, doch es zeigen
sich Risse zwischen ihnen…
Kritik:
Offenbar wollte Jon Avnet die Magie wiederbeleben,
die das Zusammenspiel der Schauspielgrößen in Michael Manns Klassiker „Heat“
ausgemacht hat, doch dreizehn Jahre später bekommen Pacino und De
Niro zwar reichlich gemeinsame Szenen, aber ein einfallsloses Drehbuch
verhindert, dass die beiden Darsteller wirklich glänzen können. Ähnlich wie der
Blutspur-Analyst Dexter aus der gleichnamigen Serie sind Turk und Rooster Strafverfolgungsbeamte
mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, so dass sie Täter, die ihrer Bestrafung
durch die Justiz entgehen konnten, noch einmal auf den Zahn fühlen. Im
Gegensatz zu „Dexter“ bietet „Kurzer Prozess“ allerdings keine verwertbaren
Inneneinsichten, noch glaubwürdige Motive. In Rückblenden wird dagegen auf
drastische Weise beschrieben, wie die Drogendealer, Mörder, Kinderschänder und
Vergewaltiger erschossen werden. Auf Feinheiten wird dabei ebenso verzichtet
wie auf eine sorgfältige Figurenzeichnung. Vor allem die eindimensionale Charakterisierung
der Frauen als Drogenschlampen und Flittchen ist ärgerlich. Jon Avnet hat
anschließend fast ausschließlich fürs Fernsehen gearbeitet, Pacino und De
Niro haben zum Glück wieder die Kurve zu besseren Produktionen bekommen.
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