Waterland
Seit Mitte der 1980er Jahre ist der britische Charakterdarsteller
Jeremy Irons immer wieder in hochkarätigen Kino-Produktionen zu sehen.
Waren es in den 1980er Jahren „Die Geliebte des französischen Leutnants“
(1981), „Eine Liebe von Swann“ (1984), „Mission“ (1986) und David
Cronenbergs „Die Unzertrennlichen“ (1988), lief es auch Anfang der
1990er Jahre mit „Die Affäre der Sunny von B.“, „Kafka“ (beide 1991), „Verhängnis“
(1992), „M. Butterfly“ und „Das Geisterhaus“ (beide 1993) sehr
gut. Ein fast vergessenes Kleinod aus dieser Zeit stellt die Verfilmung von Graham
Swifts 1983 erschienenen Roman „Waterland“ unter der Regie von Stephen
Gyllenhaal („Tollwütig“, „Girlfight“) dar – mit Ethan Hawke
und dem späteren „Game of Thrones“-Star Lena Headey in weiteren
Hauptrollen. In Deutschland lief der Film auch unter dem alternativen Titel „Das
Geheimnis seiner Liebe“.
Inhalt:
Pittsburgh im Jahr 1974. Der Engländer Tom Crick (Jeremy
Irons), der mit seiner Frau Mary (Sinéad Cusack) seit Ende des
Zweiten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten lebt, unterrichtet Geschichte an einer
Highschool, kann seine Schüler aber nur schwer für die Französische Revolution
begeistern. Vor allem Matthew Price (Ethan Hawke) stellt den Sinn, von
der Geschichte zu lernen, in Frage. Crick beschließt daraufhin, seine eigene
Geschichte zu erzählen: Tom wuchs in den sogenannten Fens an der englischen
Ostküste auf. Mit seinem Vater Henry (Pete Postlethwaite) und seinem älteren,
geistig zurückgebliebenen Bruder Dick (David Morrissey) lebte er in
einem kleinen Cottage, das neben einem Wehr lag, für das sein Vater zuständig
war. Vor allem seine Jugend während des Zweiten Weltkriegs hat Tom geprägt. Im
Alter von 16 Jahren verliebte er sich in seine Mitschülerin Mary (Lena
Headey) und lernte mit ihr bei jeder ihnen gebotenen Möglichkeiten die
Freuden der Liebe kennen, in einer verlassenen Windmühle ebenso wie in einem
Zugabteil. Da Mary Mitleid für Dick empfand, wünschte sie sich, dass auch er
Erfahrungen mit Frauen sammeln würde.
Seinen Schülern, die sich amüsiert darüber zeigen, dass er
ihnen so offen von seinen ersten sexuellen Erfahrungen berichtet, erzählt Tom
auch von seinem Großvater, der eine Brauerei besaß. Mit seinen Schülern reist
Tom so in das Jahr 1911 zurück und lässt sie das Haus seines Großvaters
besichtigen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dort ein Heim für traumatisierte
Soldaten eingerichtet, wo Toms Mutter schließlich seinen Vater Henry
kennenlernte. Zurück in den 1940er Jahren zeigt Tom dem inzwischen neugierig
gewordenen Matthew Price, wie Dick auf einmal regelmäßig abends ausging, um
sich mit einem Mädchen zu treffen. Der junge Tom ahnte, dass es sich bei dem
Mädchen um Mary handelte. Eifersüchtig stellte er Mary vor der Windmühle zur
Rede. Sie gestand ihm, schwanger zu sein, versicherte ihm jedoch, dass es sein
Kind sei. Mit Dick habe sie den Geschlechtsakt nicht vollziehen können, weil er
zu groß für sie gewesen sei. Die Rivalität um Mary setzte schließlich eine
Reihe von tragischen Ereignissen in Gang…
Kritik:
Vordergründig erzählt „Waterland“ die Geschichte
eines Mannes, der sein Leben auf dem Prüfstand sieht. Er verliert nicht nur das
Interesse bei seinen Schülern für den unterrichteten Stoff, sondern sieht sich
durch seinen Kollegen Lewis Scott (John Heard) auch seines Jobs bedroht.
Und dann hat er noch eine psychisch labile Frau zuhause, die es nicht
verkraftet, keine Kinder bekommen zu können. Also flüchtet er mit seinen Schülern
in eine aufregende Vergangenheit, wobei Fernseh-Regisseur Stephen Gyllenhaal
nicht allein mit den obligatorischen Rückblenden arbeitet, sondern Crick
und seine Schulklasse in der Zeit zurückreisen und sie Teil der damaligen Zeit werden
lässt, so dass sie mit eigenen Augen die Verwüstungen des Krieges und die
Auswirkungen des Starkbiers verfolgen können, das im Familien-Unternehmen
gebraut worden ist. Hier entwickelt sich „Waterland“ zu einem erotisch
aufgeladenen Coming-of-Age-Drama, dessen Folgen vor allem für Crick selbst bis
in die Gegenwart hineinreichen. Das veranschaulicht zwar, warum Cricks
Interesse an Geschichte erwacht ist und präsentiert ein einfühlsam inszeniertes
persönliches Drama, hadert allerdings mit der sprunghaften Dramaturgie. Indes
überzeugen aber die Darsteller und die großartigen Landschaftsaufnahmen mit der
fesselnden Musik des Coen-Hauskomponisten Carter Burwell („Miller’s
Crossing“, „Fargo“).
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