Iris
Die irisch-britische Schriftstellerin und Philosophin Jean
Iris Murduch (1919 – 1999) setzte sich vor allem in ihren bekannten Romanen
mit Themen wie Gut und Böse, sexuellen Beziehungen, Moral und der Macht des
Unbewussten auseinander. Nach ihrem Tod veröffentlichte ihr Ehemann, der
Literaturkritiker John Bayley, in dem Buch „Elegy for Iris: A Memoir“
seine Erfahrungen mit der ungewöhnlichen Frau, die im Alter von 74 Jahren
an Alzheimer erkrankte. Der britische Theater-Regisseur Richard Eyre verfilmte
das Buch 2001 mit Judi Dench, Kate Winslet und dem für seine Leistung
mit einem Oscar ausgezeichneten Jim Broadbent in den Hauptrollen unter dem schlichten Titel „Iris“.
Inhalt:
Die namhafte Schriftstellerin Iris Murdoch (Judi Dench)
ist in ihrem Arbeitszimmer mit den Vorarbeiten für einen neuen Roman
beschäftigt, als die ersten Symptome der Alzheimer-Krankheit bei ihr auftreten.
Sie schafft es nicht, das Wort Puzzle über ihre Lippen zu bringen, und
hinterfragt dessen Bedeutung. In der Folgezeit wiederholt sie ständig
Wortfetzen, ohne es zu bemerken. Nach medizinischen Tests werden die seinerzeit
größte englische Romanautorin und ihr Ehemann John Bayley (Jim Broadbent)
mit der Diagnose Alzheimer konfrontiert. Während Iris immer mehr dem
psychischen und physischen Verfall ausgesetzt ist, will der ihr treu ergebene
John seine große Liebe nicht aufgeben und übernimmt ihre Pflege. Er erinnert
sich, dass Iris schon als junge Frau (Kate Winslet) eine intelligente
und redegewandte Literatin gewesen ist, die ihn (Hugh Bonneville) zwar
liebte, aber kein Geheimnis daraus machte, auch mit anderen Männern – und Frauen
– ins Bett zu gehen.
Doch John war der erste Mensch, zu dem sie eine enge Bindung
aufbauen konnte. Ihm erzählte sie als erstem von ihrem gerade fertiggestellten
Buch und er war der erste, der es lesen durfte. 1956 heirateten die beiden.
Neben der erfolgreichen Iris mauserte sich auch John zu einem angesehenen
Literaturkritiker und die beiden führten eine glückliche Ehe. Mit der 1997 diagnostizierten
Krankheit Alzheimer entfernte sich Iris allerdings zusehends von dem Menschen,
der sie einmal war…
Kritik:
Richard Eyre („Tagebuch eines Skandals“, „Kindeswohl“)
gelingt es in seiner einfühlsamen Biografie-Verfilmung, ein funktionierendes
Gleichgewicht zwischen den Rückblenden mit einer lebensfrohen, sexuell offenen Literatin
und Philosophin und dem allmählichen geistigen Zerfall zu inszenieren, das mit
der Alzheimer Krankheit einhergeht, was hier umso tragischer erscheint, weil es
eine so weltkluge, besonnene und leidenschaftliche Frau trifft, die sich in
ihrem Leben für die Bedeutung von Bildung und Sprache eingesetzt hat. Dabei
gehen die Szenen und der Sprung zwischen den Zeiten immer wieder nahtlos
ineinander über, vor allem bei den Badeszenen. Eyre bleibt dabei dicht
an seinen Figuren, arbeitet die besondere Beziehung zwischen der Literatin und
dem Kritiker heraus, die über die Jahre gereift ist, wobei sich Bayley trotz eifersüchtiger
Momente bei Iris‘ mannigfaltigen sexuellen Abenteuern nie davon abbringen ließ,
sie weiterhin zu lieben. Besonders eindringlich sind natürlich die Szenen seit Iris‘
Erkrankung ausgefallen, auch wenn die Zeitsprünge hier gelegentlich etwas
störend wirken und die Auswirkungen der Krankheit auf Iris‘ Verhalten zu
sprunghaft inszeniert sind. Doch das Zusammenspiel des vierköpfigen Ensembles,
das das Paar in jungen wie alten Tagen verkörpert, macht „Iris“ zu einem herausragenden
Drama, das von James Horner („Legenden der Leidenschaft“, „Titanic“)
und der Solo-Violine von Joshua Bell toll musikalisch untermalt worden
ist.
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