Mona Lisa
Mit seinen ersten beiden Werken „Angel – Straße ohne
Ende“ (1982) und „Die Zeit der Wölfe“ (1984) hat sich der Ire Neil
Jordan bereits einen Ruf als interessanter Autorenfilmer mit einem
ausgeprägten ästhetischen Gespür erworben, den er mit seinem dritten, prominent
besetzten Neo-Noir „Mona Lisa“ (1986) noch untermauerte. Vor allem Bob
Hoskins („Hook“, „Meerjungfrauen küssen besser“) überzeugt als
temperamentvoller Chauffeur einer Edel-Prostituierten.
Inhalt:
Nachdem George (Bob Hoskins) sieben Jahre für seinen
Boss Denny Mortwell (Michael Caine) im Gefängnis abgesessen hat, steht
er in London vor dem Nichts. Seine Ex-Frau (Pauline Melville) schlägt
ihm nicht nur die Tür vor der Nase zu, sondern verweigert ihm auch den Zugang
zur gemeinsamen Teenager-Tochter Jeannie (Zoë Nathenson). Da er nichts
zu tun hat, hängt er vor allem mit seinem Kumpel Thomas (Robbie Coltrane)
ab, mit dem er eine Vorliebe für das Schrauben an Autos und vor allem
Kriminalromane teilt. Etwas Routine kehrt in Georges Leben ein, als sein alter
Boss ihm aufträgt, als Fahrer und Bodyguard für die Edel-Prostituierte Simone (Cathy
Tyson) zu arbeiten. Die verschafft ihm erst einmal einen neuen Anzug, damit
er nicht so billig aussieht, aber auch sonst gestaltet sich das Verhältnis
schwierig. Zu unterschiedlich sind die beiden. Doch als sie sich näher
kennengelernt haben und Cathy Vertrauen zu dem temperamentvollen Ex-Knacki
aufgebaut hat, bittet sie ihn, ihre verschwundene Freundin Cathy (Kate Hardie)
wiederfinden. Damit taucht George immer tiefer in das Geschäft käuflicher Liebe
und ausgefallener Kundenwünsche ein…
Kritik:
Geschickt führen uns Neil Jordan („Interview mit
einem Vampir“, „The Good Thief“) und sein Co-Autor David Leland („Ich
wollte, du wärst hier“, „Brombeerzeit“) zunächst auf eine falsche Fährte,
scheint „Mona Lisa“ doch eine Geschichte zweier Außenseiter zu werden,
die als klassisches Odd Couple allerdings nur kaum für eine
Liebeskomödie oder auch ein Liebesdrama taugen. Stattdessen dringt der Film
nach seiner kurzen Exposition, die vor allem Georges schwierigen Neuanfang
thematisiert, schnell in das Rotlichtmilieu ein, von Simones betuchten Kunden
mit Dienern, die dem Chauffeur eine Erfrischung ins Auto reichen, während
Simone ihrer Arbeit nachgeht, bis hinunter in die von Gewalt, Drogen und
Missbrauch Minderjähriger reichende Palette zur Befriedigung der abartigsten
sexuellen Gelüste. Authentisch wirkt dieser Trip in die Abgründe menschlicher
Gier und Triebe vor allem dadurch, dass Jordan die Szenen am Straßenstrich mit echten
Prostituierten gefilmt hat. Bob Hoskins spielt groß auf, wenn er auf der
Suche nach Simones Freundin Dinge sieht, die seine Vorstellungskraft sprengen
und sein Temperament explodieren lassen. Auch wenn der Ausflug in die finsteren
Ecken Londons etwas zu stilisiert wirkt, machen vor allem die großartigen
Darsteller und die ungewöhnliche Figurenkonstellation „Mona Lisa“ zu
einem Juwel des New British Cinema.


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