Track 29

Nicolas Roeg ist zwar vor allem für Meisterwerke wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973) und „Walkabout“ (1971) bekannt, doch hat er in der Folgezeit auch weitaus schwierigere und unbequemere Filme wie „Eureka“ (1983) und „Herz der Finsternis“ (1994) abgeliefert. Besonders gespalten wurde seine 1988 inszenierte Satire „Track 29“ aufgenommen, in der ein junger Gary Oldman („León, der Profi“, „Kalifornia“) schon demonstrierte, dass er eine wunderbare Besetzung für durchgeknallte Typen darstellt.

Inhalt:

Dr. Henry Henry (Christopher Lloyd) kommt vor allem morgens deshalb regelmäßig zu spät zur Arbeit und hat anschließend auch keine Zeit für seine Frau Linda (Theresa Russell), weil er die meiste Zeit seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht, seiner gewaltigen Modelleisenbahn. Seine gefrustete Frau hängt entweder mit ihrer Freundin Arlanda (Colleen Camp) ab oder ihren Erinnerungen nach. Als eines Tages ein junger Mann (Gary Oldman) vor ihrer Haustür steht und sich als ihr vor Jahren zur Adoption freigegebenen Sohn Martin vorstellt, gerät ihr Leben vollends aus den Fugen, denn sie erinnert sich vor allem an einen Besuch auf dem Jahrmarkt als 15-Jährige, wo sie von dem Autoscooter-Betreiber (Gary Oldman) vergewaltigt wurde…

Kritik:

Zunächst wirkt „Track 29“ wie eine Satire auf das amerikanische Kleinbürgertum, wenn der Mann zwar das Geld nach Hause bringt, aber seine Frau quasi nicht wahrnimmt und stattdessen mit einer Krankenschwester (Sandra Bernhard) herummacht. Das übergroße Haus und vor allem die überdimensionierte Modelleisenbahn stehen stellvertretend für den großen amerikanischen Traum, im eigenen Heim leben und das tun zu können, worauf man Lust hat – ohne Rücksicht auf andere, ohne Kompromisse. Linda stellt die Kehrseite dieses Traums dar, bleibt sie in ihren Möglichkeiten trotz aller Freiheit eingeschränkt. Sie ist für den Haushalt zuständig und bekommt nicht mal ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigt. Ihr Traum von einem Baby bleibt unerfüllt, ruft aber destruktive Erinnerungen an ihre ungewollte Schwangerschaft und die Adoption hervor, die Roeg meisterhaft zu verstörenden Collagen vermengt. Das Zusammenspiel zwischen Roegs Ehefrau Theresa Russell („Eureka“, „Die Hure“) und dem jungen Gary Oldman gehört zu den Stärken des symbolträchtigen Psychotrips, der den Zuschauer genauso verstört zurücklässt wie Linda.

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