The New Pope
Mit „The Young Pope“ hat der italienische Schönfilmer
Paolo Sorrentino („Il Divo“, „Loro – Die Verführten“) im Jahr
2016 eine für strenggläubige Katholiken fraglos blasphemisch anmutende
Mini-Serie kreiert, in der Jude Law als erster US-amerikanischer Papst wie
ein Popstar auftritt und neuen Schwung in die verkrusteten Strukturen der
Kirche zu bringen versucht. Vier Jahre später geht es in „The New Pope“
noch turbulenter zu, wobei neben Jude Law diesmal vor allem John
Malkovich in den Vordergrund rückt.
Inhalt:
Sein schwaches Herz hat Pius XIII alias Lenny Belardo (Jude
Law) niedergestreckt. Neun Monate liegt er nach seinem Herzinfarkt bereits
im Koma. Sein Schicksal hält seine Anhängerschaft in Atem, und nicht wenige
verehren ihn inzwischen als einen Heiligen. Um zu verhindern, dass Lenny weiter
vergöttert wird, beraumt Kardinalsstaatssekretär Angelo Voiello (Silvio
Orlando) eine neue Papstwahl an. Der von ihm und seinen Unterstützern auf
den obersten Bischofsthron gebrachte Kardinal Tommaso Viglietti macht sich
jedoch schon kurz nach seinem Amtsantritt mit radikalen Reformbestrebungen
unbeliebt.
Nach dem plötzlichen Tod des neu gewählten Papstes begibt
sich Voiello mit einer kleinen Delegation nach England, um den aus der
britischen Aristokratie stammenden Sir John Brannox (John Malkovich) zur
Übernahme des Pontifikates zu überreden. Das exzentrische und offenherzige
Verhalten des Wunschkandidaten lässt den Kardinalsstaatssekretär und seine
Mitstreiter jedoch an ihrer Wahl zweifeln.
Obwohl Brannox das Angebot, Papst zu werden, eigentlich
ablehnen will, gelingt es Voiello, ihn zum Umdenken zu bewegen. In Rom wird der
Brite schließlich unter dem Namen Johannes Paul III. zum nächsten Pontifex
ernannt. Gleich in seiner ersten Ansprache betont das neue Oberhaupt der
katholischen Kirche die Bedeutung echter Liebe.
Vor allem muss er aber auch damit zurechtkommen, dass
zahlreiche Gläubige den komatösen Pius XIII verehren wie einen Heiligen – eine
„Kirchenspaltung“ unter Fundamentalgläubigen droht. Da darf man nur hoffen,
dass nicht eines Tage Pius erwacht und die Kirche sich – ohne, dass jemand
böswillige Absichten gehabt hätte – mit zwei amtierenden Päpsten konfrontiert
sieht. Währenddessen sieht sich Voiello mit einem Nonnenstreik konfrontiert,
der von Schwester Lisette (Nora Waldstätten) angeführt wird. Ein
Entschluss der italienischen Regierung könnte den Vatikan schon bald in
finanzielle Schwierigkeiten bringen. Bei einer Audienz im Vatikan ermuntert
Hollywood-Schauspielerin Sharon Stone den Papst, homosexuelle Ehen unter
Katholiken zuzulassen. Auch Sofia Dubois (Cécile de France), die
Marketingchefin des Heiligen Stuhls, tauscht sich in einem privaten Rahmen mit
Johannes Paul III. aus. Nach einem verheerenden Terroranschlag im französischen
Lourdes reist der Pontifex an den Ort des Geschehens und findet mit einer
unkonventionellen Rede große Zustimmung. Als bekannt wird, dass Pius XIII.
geatmet hat, strömen seine Anhänger nach Venedig…
Kritik:
Sorrentino schwelgt auch in der Fortsetzung seiner
erfolgreichen Serie „The Young Pope“ in betörenden Bildern, untermalt lasziv
tanzende Nonnen im Vorspann mit flottem Electro-Pop und macht immer wieder die vor
allem körperliche Liebe in verschiedenen Konstellationen – auch unter den
Kardinälen – zum Thema. Seine dramaturgische Spannung bezieht der Neunteiler
aber vor allem aus dem Schwebezustand zwischen dem seit Monaten im Koma
liegenden und von seinen Verehrern fast schon sektenhaft verehrten Papst Pius
XIII. auf der einen und seinem von den Kardinälen emsig umworbenen Nachfolger Johannes
Paul III. auf der anderen Seite, der als großer Fan von sowohl Marilyn Manson
als auch Sharon Stone seine Position ausnutzt, um die beiden zu sich kommen zu
lassen. Wie immer rumort es hinter den Kulissen. Da wird intrigiert und
geschachert, terroristische Bedrohungen werden beurteilt, Affären gelebt und vertuscht,
Wege aus der Krise gesucht. „The New Pope“ veranschaulicht eindrucksvoll,
dass es im Vatikan ähnlich turbulent zugeht wie in der weltlichen Umgebung, nur
dass man hier weniger damit rechnet. Das ist wunderbar einfallsreich mit einem
elektrisierenden Soundtrack unterlegt und in traumhaft schönen Bildern eingefangen.
Dabei kommt auch Sorrentinos Faible für schöne Frauen zum Tragen.


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