Julia Roberts hatte gerade mal zwei bemerkenswerte
Filme gedreht – die Komödie „Pizza Pizza – Ein Stück vom Himmel“ (1988)
und das starbesetzte Melodram „Magnolien aus Stahl“ (1990), als sie die Hauptrolle
in „Pretty Woman“ (1990), der Hollywood-Version des Cinderella- oder
Aschenputtel-Märchens angeboten bekam. Die Liebeskomödie, in der Roberts eine
abgebrannte Prostituierte verkörpert, die sich in ihren reichen Freier
verliebt, wurde nicht nur zum Kassenschlager, sondern machte Julia Roberts
über Nacht zum Star.
Inhalt:
Die beiden Prostituierten Kit (Laura San Giacomo) und
Vivian Ward (Julia Roberts) sind mal wieder mit der Miete für ihre
gemeinsame Wohnung im Rückstand. Da wären ein paar zahlungskräftige Kunden am
Abend schon sehr wünschenswert. Zum Glück fährt gerade der Corporate Raider
Edward Lewis (Richard Gere) mit dem Lotus Esprit seines Anwalts und
Freundes Phil (Jason Alexander) den Hollywood Boulevard entlang, wo er
Vivian nach dem Weg zum Regent Beverly Wilshire in Beverly Hills zu fragen. Für
zwanzig Dollar erklärt sich Vivian bereit, ihm sogar persönlich den Weg zu
zeigen und setzt sich schließlich ans Steuer des Sportwagens, mit dessen
Schaltgetriebe der Investment-Profi nicht zurechtkommt. Er nimmt die
temperamentvolle Frau dann nicht nur ins Penthouse des Hotels, sondern
engagiert sie für eine Woche als Escort-Dame, da ein wichtiges Geschäftsessen
besser verlaufen würde, wenn Edward dort mit weiblicher Begleitung erscheine, rät
ihm Phil. Doch bis dahin sind für Vivian einige Hürden zu überwinden. Als sie
sich mit Edwards Geld etwas Schickes zum Ankleiden in einem der Edelboutiquen
kaufen will, wird sie aufgrund ihres nuttigen Outfits des Ladens verwiesen.
Immerhin erklärt sich der Hotelmanager Barney Thompson (Hector Elizondo)
nach einem holprigen Kennenlernen bereit, Vivian in die Nutzung der
verschiedenen Bestecke beim Essen einzuweisen und sie fachmännisch einkleiden
zu lassen. Edward ist völlig hingerissen von Vivian, als er sie in der Hotelbar
zum verabredeten Essen abholt und entwickelt gegen seine Natur zunehmend echte
Gefühle für Vivian…
Kritik:
Für Julia Roberts erwies es sich als Glücksfall, dass
ihre prominenten Kolleginnen Jennifer Connelly, Meg Ryan, Brooke Shields, Sandra
Bullock, Molly Ringwald sowie Daryl Hannah entweder zu jung für die
Rolle der Vivian schienen oder sie von sich aus ablehnten. Tatsächlich
funktioniert das Hollywood-Märchen von der Liebe zwischen einem ehrgeizigen Investor,
der ohne mit der Wimper zu zucken marode Firmen aufkauft, um sie in kleineren
Teilen wieder mit Gewinn zu verkaufen, und einer einfach gestrickten Prostituierten,
die sich sehr schnell in die besseren Kreise einzuleben versteht, durch Julia
Roberts natürlich wirkendem Charme und ihrem offenherzigen Lachen. Natürlich
gibt es einige Probleme zu überwinden, bis aus der geschäftlichen Beziehung
eine romantische Liebe wird, doch bleibt das Drehbuch dabei in oberflächlichen,
fast schon klischeehaften Rollenbildern verhaftet, um den Feel-Good-Charakter
ja nicht zu gefährden. Richard Gere („Ein Offizier und Gentleman“, „Ein
Mann für gewisse Stunden“) hat dabei die undankbare Aufgabe, im schicken
Anzug mit gönnerhaftem Auftreten den Mann zu mimen, nach dessen Pfeife alle Welt
zu tanzen scheint. Insofern trägt Julia Roberts den Film nahezu allein auf
ihren Schultern und trägt neben dem mitreißenden Pop-Soundtrack – natürlich mit
Roy Orbisons Titelsong „Oh, Pretty Woman“ – zum Erfolg des Films
bei, der bei einem Budget von gerade mal 14 Millionen Dollar weltweit 463
Millionen Dollar einspielen konnte.
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