Als Regisseur von eigensinnigen Meisterwerken wie „Wenn
die Gondeln Trauer tragen“, „Der Mann, der vom Himmel fiel“ oder „Walkabout“
hat sich der britische Filmemacher Nicolas Roeg Privilegien erspielt,
die es ihm ermöglichten, auch unbequemere Arbeiten zu realisieren. Dazu zählt
sicher auch das 1983 inszenierte Drama „Eureka“, das der Brite nach der wahren
Geschichte des Millionärs Sir Harry Oakes mit Gene Hackman, Theresa
Russell, Rutger Hauer, Joe Pesci und Mickey Rourke in den Haupt- und
Nebenrollen realisierte.
Inhalt:
Auf der Suche nach dem großen Glück kommt der arktische
Goldsucher Jack McCann (Gene Hackman) in eine fast schon verlassene Goldgräberstadt.
Als er an dem „Claims Office“ vorbeikommt, in dem fündige Glücksjäger Landrechte erwerben
können, begegnet er vor dessen Eingang ein barfüßiger Mann im Schnee, der sich
vor McCanns Augen mit wahnsinnigem Grinsen eine Kugel in den Kopf jagt. Doch
nach all dieser tristen Verzweiflung prophezeit ihm eine mysteriöse Frau (Helena
Kallianiotes) Erfolg, der ihn tatsächlich nach 15 Jahre Suche zu einem der reichsten
Männer der Welt macht, als er 1925 buchstäblich in einen Berg voller Gold
fällt. Zwanzig Jahre später, 1945, lebt er im Luxus auf einer Karibikinsel, die
ihm gehört. Aber sein Reichtum bringt ihm keinen Seelenfrieden. Auf der einen
Seite muss er seine gelangweilte und alkoholkranke Ehefrau Helen (Jane
Lapotaire), ertragen, auf der anderen Seite scheint es der Playboy Claude
Van Horn (Rutger Hauer) vor allem deshalb auf seine eigensinnige Tochter
Tracy (Theresa Russell) abgesehen zu haben, weil sie ihm einen
Lebensstil im Luxus ermöglicht. Sein paranoider Assistent Charles Perkins (Ed
Lauter) drängt auf ein Geschäft mit den Gangstern Mayakofsky (Joe Pesci)
und Aurelio D’Amato (Mickey Rourke), die McCanns Insel für den Bau eines
Casinos haben wollen, und zwar um jeden Preis…
Kritik:
Roeg macht es seinem Publikum mit „Eureka“
nicht leicht. Was als atmosphärisch dichtes Goldgräber-Drama vor unwirtlich
eisiger Naturkulisse beginnt und in dem Selbstmord eines gescheiterten
Goldsuchers kulminiert, entwickelt sich im zweiten Teil zu einer fast schon
philosophisch angehauchten Charakterstudie, in dessen Mittelpunkt der
schwerreiche, aber seiner Umwelt gegenüber zutiefst misstrauische Millionär
Jack McCann nicht nur um sein Eigentum kämpft, sondern auch um die Normalität
und Loyalität der Menschen in seinem Umfeld. Der isolierte, exzentrische
Einsiedler, der in einer karibischen Festung namens „Eureka“ residiert, wird
immer wieder von surrealen Eingebungen malträtiert wird, während seine Tochter
Tracy vor allem nur den Sex mit ihrem Mann Claude im Sinn hat. Diese Mischung
aus rauem Goldgräber-Abenteuer, sexuellen Ausschweifungen im Luxus und surrealen,
psychedelisch anmutenden Visionen mündet zu guter Letzt in einem fast schon
absurd wirkenden Gerichtsprozess, der die zuvor sorgsam inszenierte atmosphärische
Stimmung leider unpassend aufbricht. Am Ende bleibt die Frage, inwieweit Reichtum
mit Glück gleichgesetzt werden kann. „Eureka“ gibt darauf eine zutiefst
ernüchternde Antwort.
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