Arsène Lupin, der Millionendieb
Eigentlich war Jacques Becker (1906 - 1960) mit
seinen Filmen eher für seinen präzisen Blick auf einfache Leute und ihr alltägliches
Leben bekannt, erwies sich aber auch als versierter Kenner sowohl des Gangster-Milieus
(„Wenn es Nacht wird in Paris“), der Mode-Szene („Falbalas – Sein letztes
Modell“) und des Künstlers Modigliani („Montparnasse 19“). Zu
seinen unterhaltsameren Werken zählt „Arsène Lupin, der Millionendieb“
(1957), die Adaption von Maurice Leblancs 1905 erfundener Romanfigur Arsène
Lupin.
Inhalt:
Paris, 1912. Während einer Feier beim Ministerpräsidenten
Duchamp (Henri Rollan) betritt der als italienischer Diplomat Aldo
Parolini auftretende Meisterdieb Arsène Lupin (Robert Lamoureux) den Ballsaal,
tanzt mit der deutschen Adligen Mina von Kraft (Liselotte Pulver) und
verführt die Dame des Hauses (Sandra Milo), nur um die von seinen
Komplizen verursachte Dunkelheit im Gebäude dazu zu nutzen, zwei Werke von Leonardo
da Vinci und Sandro Botticelli zu entwenden sowie hinter einem
weiteren vermeintlichen Meisterwerk eine handschriftliche Visitenkarte mit dem
Hinweis zu hinterlassen, dass es sich bei diesem Michelangelo
zugeschriebenen Gemälde um eine Fälschung handele.
Nach dem erfolgreichen Diebstahl kehrt Lupin in seine
bürgerliche Identität als stadtbekannter Millionär André Laroche zurück, um
sich wenig später als wohlhabender Winzer zu verkleiden, der bei einem Pariser Juwelier
vorgibt, zwecks der anstehenden Hochzeit seiner einzigen Tochter ein passendes
Schmuckstück erwerben zu wollen. Mit der unfreiwilligen Hilfe der Hotelmaniküre
Léontine Chanu (Huguette Hue) kann Arsène Lupin auch diesmal zuschlagen.
Als der deutsche Kaiser Wilhelm II. (O. E. Hasse) von Lupins gewitzten
Taten erfährt, lässt er den charmant-dreisten Ganoven kurzerhand entführen, um
ihm ein verlockendes Angebot zu machen: Er soll den neuen kaiserlichen
Geheimtresor finden und plündern, um dessen Sicherheit auf die Probe zu
stellen. Der stammt jedoch aus der Hand von Minas Familie, die nun befürchtet,
in Ungnade zu fallen…
Kritik:
Becker nutzt verschiedene Episoden aus Maurice Leblancs Romanreihe,
um sie auf amüsante Weise aneinanderzufügen und durch wiederkehrende Personen
wie Mina von Kraft und die charmante Hotelmaniküre Léontine Chanu in einen
Zusammenhang zu bringen. Dabei spielt Becker einerseits die
Befindlichkeiten sowohl des französischen als auch des deutschen
Nationalcharakters aus, wirft in der deutsch-französischen Co-Produktion einen
amüsierten Blick auf die Oberschicht des frühen 20. Jahrhunderts und beweist in
der Wahl seiner Schauspieler ein gutes Händchen. So wie Robert Lamoureux
(„Papa, Mama, Katrin und ich“, „Das Leben zu zweit“) in der Rolle des
Gentleman-Diebs brilliert, der nur die französische Oberschicht bestiehlt und
es als rein intellektuelles Vergnügen betrachtet, lassen Liselotte Pulver,
Sandra Milo und Huguette Hue ihren weiblichen Charme spielen,
während O.E. Hasse („Ich beichte“, „Solange das Herz schlägt“) den
deutschen Kaiser Wilhelm II. mit viel Humor interpretiert. Einige Längen und klischeehafte Figurenzeichnungen bleiben trotzdem nicht aus.


.jpg)


.jpg)

.jpeg)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen