Happy-Go-Lucky

Mit Dramen wie „Lügen und Geheimnisse“, „Nackt“ und „All or Nothing“ hat sich der britische Autorenfilmer Mike Leigh als genauer Beobachter der Befindlichkeiten vor allem der britischen Arbeiterklasse erwiesen. Dass er das auch auf humorvolle Weise erledigen kann, zeigt er mit der 2008 entstandenen Komödie „Happy-Go-Lucky“.

Inhalt:

Überall wo die 30-jährige Grundschullehrerin Pauline (Sally Hawkins), die nur „Poppy“ genannt wird, auftaucht, verströmt sie gute Laune. Wenn sie ausgelassen mit dem Rad unterwegs ist, schaut sie sich lächelnd mit erhobenem Haupt in der Gegend um und winkt Bekannten zu. Selbst einen wortkargen Buchhändler textet sie bis zum Verlassen seines Ladens gutgelaunt zu. Als sie bemerkt, dass ihr Fahrrad gestohlen worden ist, trauert sie nur dem Umstand nach, dass sie sich nicht verabschieden konnte, freut sich aber, dass es nun flügge geworden sei. Und es eröffnet ihr nun die Möglichkeit, endlich Fahrstunden zu nehmen. Dabei gerät sie ausgerechnet an Scott (Eddie Marsan), einen zornigen, menschenfeindlichen, ja rassistischen Fahrlehrer, der mit seinem Mantra „Enraha“ nicht nur eine Hilfskonstruktion für seine Schüler hinausbrüllt, sondern auch als Anker für sein eigenes Leben benutzt. Während sich Poppy in den wöchentlichen Fahrstunden langsam an die Grenzen ihres fröhlichen Naturells gelangt, lebt sie mit ihrer Freundin und Kollegin Zoe (Alexis Zegerman) seit zehn Jahren in einer Wohnung, feiert mit ihr und anderen Freundinnen ausgelassen in Bars und Clubs und kümmert sich liebevoll um ihre Kinder. Als sie bemerkt, dass ein Junge in ihrer Klasse bei jeder Gelegenheit seine Mitschüler malträtiert, findet sie heraus mit dem Sozialarbeiter Tim (Samuel Roukin) heraus, dass der prügelnde Schüler von dem Freund der Mutter misshandelt wird. Als Scott beobachtet, wie sich zwischen Poppy und Tim küssen, flippt er aus…

Kritik:

Mit Sally Hawkins („Cassandras Traum“, „Alles, was wir geben mussten“) arbeitete Mike Leigh bereits in „All or Nothing“ und „Vera Drake“ zusammen, in „Happy-Go-Lucky“ ist sie kaum wiederzuerkennen und trägt mit ihrer offenherzigen, fröhlichen Art die ausgelassene Stimmung des Films. Es sind eher Szenen aus dem Alltag, den Leigh hier zusammenfügt, weniger eine Geschichte, die er erzählt. Dabei wird schnell klar, dass Poppy keineswegs nur eine naive Optimistin ist, sondern ein sehr ausgeprägtes Gespür für ihre Mitmenschen hat, sowohl für die Kinder, die sie unterrichtet, als auch für Menschen mit Problemen. So hört sie bei einem nächtlichen Spaziergang einem Obdachlosen zu, der lange kein Gespräch mehr geführt hat, und erweist sich beim Flirt mit dem Sozialarbeiter Tim als witzige Sparringspartnerin. Dass aber eben nicht alles heile Welt ist, wird durch die Figur des Fahrlehrers Scott implementiert, der auch Poppy an ihre Grenzen bringt und „Happy-Go-Lucky“ nicht als reine Feel-Good-Komödie enden lässt. Am Ende erweist sich Mike Leigh einmal mehr als Vertreter des New British Cinema, der ein wunderbares Gespür für seine Figuren und ihre Milieus besitzt.

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