Nachdem Jean Gabin und Jeanne Moreau bereits
in Jacques Beckers Film-noir-Klassiker „Wenn es Nacht wird in Paris“
(1954) glänzten, besetzte auch Gilles Grangier das prominente Duo in dem
Gangster-Drama „Gas-Oil“ (1955), das hierzulande vor allem unter dem
Titel „Straßensperre“ bekannt geworden ist.
Inhalt:
Es ist ein Tag wie jeder andere. Nachdem ihn der Wecker um 5
Uhr aus dem Bett gescheucht hat, versorgt der Lkw-Fahrer Jean Chape (Jean
Gabin) die Elektroheizung mit Strom, zieht sich an, wärmt Kaffee und Milch
auf, kontrolliert Öl und Kraftstoff an seinem Fahrzeug und begrüßt wenig später
seine beiden Kollegen Lucien Ragondin (Camille Guérini) und Pierrot (Marcel
Bozzuffi) am Küchentisch, laden in einem Industriegebiet Europaletten auf, bevor
sich Jean und Pierrot auf den Weg ins 500 Kilometer von Montjoie entfernte
Paris machen. Auf dem Rückweg überfährt Jean bei Regen und Dunkelheit einen
Mann, der allerdings bereits vorher tot war. Jeans Geliebte, die Grundschullehrerin
Alice (Jeanne Moreau), drängt ihn, zur Polizei zu gehen, um eine Aussage
zu machen. Derweil wird Jean von einigen Männern verfolgt, die davon ausgehen,
dass der Lkw-Fahrer die Tasche mit dem Geld aus einem Überfall an sich genommen
hat, die sie zurückhaben wollen. Dass Jean nichts von dem Geld weiß, wollen die
Gangster nicht glauben. Als sie ihn weiterhin bedrängen und sogar seine Wohnung
auf den Kopf stellen, entwickelt Jean mit seinen Kraftfahr-Kollegen einen Plan…
Kritik:
Auch wenn „Straßensperre“ gern als
Film-noir-Klassiker tituliert wird, ist er in erster Linie doch eine wunderbar
fotografierte Milieustudie, denn der französische Routinier Gilles Grangier („Der
Zug zur Hölle“, „Im Mantel der Nacht“) verwendet die Hälfte der Spielzeit
damit, den Arbeitsalltag von Lkw-Fahrern zu zeigen, die langen Fahrten über schlecht
ausgebaute Landstraßen, die Pausen in den immer selben Cafés, die Besuche bei
Jeans Geliebten, die mit ihm zusammenzuziehen plant. Jean Gabin („Lautlos
wie die Nacht“, „Der Clan der Sizilianer“) überzeugt dabei als einfacher,
rechtschaffender Arbeiter mit einem guten Draht zu seinen Mitmenschen. Die
Krimihandlung wird erst in der zweiten Filmhälfte und auch etwas kompliziert
eingeführt, anschließend auch sperrig fortgeführt, so dass es vor allem die
starken Bilder von Kameramann Pierre Montazel („Wenn es Nacht wird in
Paris“, „Razzia in Paris“), die Dialoge von Michel Audiard und natürlich
die Schauspielleistungen von Gabin und Jeanne Moreau sind, die „Straßensperre“
sehenswert machen, auch wenn der offensichtliche Altersunterschied zwischen den
beiden die Liebesgeschichte unglaubwürdig macht.
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