Man lernt nie aus

Nancy Meyers („Was Frauen wollen“, „Was das Herz begehrt“) hat es zu ihrem Erfolgskonzept gemacht, alternde Hollywood-Stars wie Diane Keaton, Jack Nicholson und Meryl Streep in Liebesromanzen glänzen zu lassen und dabei vor traumhafter Kulisse die perfekte Feel-Good-Atmosphäre zu verströmen. Mit ihrem 2015 inszenierten Film „Man lernt nie aus“ wartet sie zwar erneut mit einer Hollywood-Legende auf – diesmal Robert De Niro -, verändert aber ihr bewährtes Konzept, was dem Film merklich guttut.

Inhalt:

Seit seine Frau vor dreieinhalb Jahren gestorben ist, hat der 70-jährige Ben Whittaker (Robert De Niro) bereits alle seine Flugmeilen aufgebraucht, um die ganze Welt zu bereisen, sucht jeden Morgen seine Starbucks-Filiale auf, um sich zugehörig zu fühlen, und hat eine Vielzahl von Hobbys und Japanisch erlernt. Trotzdem sehnt er sich danach, wieder gebraucht zu werden und morgens einen echten Grund zum Aufstehen zu haben. Da kommt ihm der Werbe-Flyer für ein Senioren-Praktikum bei einem Online-Mode-Shop in dem Gebäude, in dem er selbst vierzig Jahre im Marketing bei einer Telefonbuch-Firma gearbeitet hat, gerade recht. Er stellt sich der Herausforderung, ein Bewerbungsvideo zu drehen und es bei Youtube hochzuladen. Tatsächlich kommt er bei den Bewerbungsgesprächen so gut an, dass er sogar direkt der mit einem Fahrrad durchs Loft-Büro fahrenden Gründerin Jules Ostin (Anne Hathaway) zugeteilt wird. Die ist zunächst allerdings mehr als skeptisch, denn neben Mann, Kind und 16-Stunden-Tagen im Büro hat sie echt nicht die Zeit, sich auch noch um einen Praktikanten zu kümmern, der mehr als doppelt so alt ist wie sie. Erst nach und nach erkennt sie, dass Ben eine echte Stütze sein kann – und zwar nicht nur, wenn es darum geht, Ordnung in ihr Start-up-Chaos zu bekommen…

Kritik:

Es macht schon Spaß, allein Robert De Niro („Der Pate II“, „Wie ein wilder Stier“) dabei zu beobachten, wie er eingangs sein Rentner-Dasein mit Leben füllt, um dann als überaus potenter Senior-Praktikant das im schicken, lichtdurchfluteten Loft angesiedelte Mode-Start-up-Unternehmen zu rocken. Natürlich spielt der Altersunterschied zwischen der engagierten Gründerin Jules und dem routinierten Marketing-Experten dem Drehbuch in die Karten, bis das Verhältnis zwischen Chefin und Praktikant auf soliden Füßen steht. Weil Nancy Meyers die berufliche Ebene nicht ausreicht, kommt spätestens in der zweiten Hälfte der private Aspekt hinzu, wenn Ben auch als persönlicher Mentor einspringt, Jules Tochter zu Geburtstagen fährt oder als Eheberater fungiert, denn die 16-Stunden-Tage fordern letztlich einen teuren Tribut. Der zweite Part fällt nicht mehr so überzeugend und charmant aus wie der Auftakt, doch da die Chemie zwischen De Niro und Hathaway stimmt, macht „Man lernt nie aus“ weit mehr Spaß als die Meyers-Filme zuvor.

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