Macbeth (2021)

Vom Debüt „Blood Simple“ (1984) bis zur schwarzhumorigen Western-Anthologie „The Ballad of Buster Scruggs“ (2018) waren Joel und Ethan Coen quasi unzertrennlich und wurden kurzerhand nur die Coen Brothers genannt – bis sich ihre Wege trennten. Während Ethan Coen mit „Jerry Lee Lewis: Trouble in Mind“, „Drive-Away Dolls“ und „Honey Don’t“ drei eher unspektakuläre Arbeiten ablieferte, fuhr sein älterer Bruder Joel mit der Shakespeare-Verfilmung des Klassikers „Macbeth“ (2021) ein weitaus größeres Geschütz auf – und lieferte ein vor allem visuell beeindruckendes Drama mit Denzel Washington und Frances McDormand in den Hauptrollen.

Inhalt:

Nach einer gewonnenen Schlacht begegnet Macbeth (Denzel Washington), der Thane von Glamis, drei Hexen (alle drei gespielt von Kathryn Hunter), die ihm nicht nur prophezeien, dass er bald zum Thane von Cawdor, sondern sogar zum König Schottlands gekürt werden wird. Tatsächlich ist der amtierende König von Schottland (Brendan Gleeson) von Macbeth Leistungen so beeindruckt, dass er ihn tatsächlich befördert, was den Thanen darin bestärkt, dass die Hexen mit ihren Worten richtig liegen könnten. Fortan arbeitet er aktiv darin, die Prophezeiung wahr werden zu lassen, wobei ihn seine ehrgeizige Lady Macbeth (Frances McDormand) unaufhörlich dazu anstachelt, seinen offenbar vorbestimmten Platz einzunehmen, auch wenn dafür der König getötet werden muss. Es kostet Macbeth wenig Überwindung, den König auf seiner Schlafstatt zu erdolchen, doch Sorgen bereitet ihm der zweite Teil der Prophezeiung, dass die Kinder von Macbeths Freund Banquo (Bertie Carvel) später einmal die Krone übernehmen werden. Allerdings erst dann, wenn sich der Wald auf das Schloss des Königs zubewegt. Macbeth nimmt diese Worte zunächst nicht ernst, doch als ihm berichtet wird, dass genau dies geschieht, geraten die Dinge außer Kontrolle…

Kritik:

Seit 1916 haben sich die unterschiedlichsten Filmemacher an der Verfilmung von Shakespeares Drama „Macbeth“ gewagt, darunter Meisterregisseure wie Orson Welles (1948), Roman Polanski (1971) und Akira Kurosawa („Das Schloss im Spinnwebwald“, 1957). Zuletzt Justin Kurzel (2015) mit Michael Fassbender und Marion Cotillard in den Hauptrollen.
Joel Coen setzt in seinem originalgetreuen Werk vor allem auf stilisierte Schwarzweißbilder, denen der begnadete Kameramanns Bruno Delbonnel („Die fabelhafte Welt der Amelie“, „Harry Potter und der Halbblutprinz“) eine hypnotische Sogwirkung entlockt. Das erinnert teilweise an kunstvolle Bühnendekorationen, dann wieder an beklemmende Traumwelten. Die Kamera bleibt zudem stets dicht bei den Figuren, fängt nicht nur die altertümlichen Worte, sondern vor allem die ausdrucksstarke Mimik ein, wobei gerade die Entwicklung des Königspaars hervorzuheben ist, das im Verlauf der Handlung jede Menschlichkeit und Vernunft der Gier nach Macht und Herrschaft unterwirft. Die bühnenerprobten Hauptdarsteller machen dieses Drama trotz der schwierigen Sprache sehenswert, und das Zusammenspiel der symbolträchtigen Ausstattung, der grandiosen Kameraarbeit und des dramatischen Scores von Coens Stammkomponisten Carter Burwell sorgt dafür, dass diese „Macbeth“-Verfilmung besonders nachdrücklich in Erinnerung bleibt.

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