Falbalas – Sein letztes Modell

Jacques Becker ist vor allem seit den 1950er Jahren mit Filmen wie „Goldhelm“, „Wenn es Nacht wird in Paris“, „Montparnasse 19“ und dann mit seinem Meisterwerk „Das Loch“ (1960) bekannt geworden, doch der ehemalige Assistent von Jean Renoir hat bereits in den 1940er Jahren interessante Filme gedreht, so auch das Mode-Drama „Falbalas – Sein letztes Modell“ (1945), das u.a. Paul Thomas Anderson zu seinem Meisterwerk „Der seidene Faden“ inspiriert haben dürfte.

Inhalt:

In seinem Atelier herrscht hektisches Treiben. Doch kurz vor der Präsentation seiner neuen Kollektion hat der dandyhafte Modedesigner Philippe Clarence (Raymond Rouleau) noch die Muße, mit Micheline (Micheline Presle) die Verlobte eines Freundes Daniel (Jean Chevrier) zu verführen. Sie zeigt sich zunächst empfänglich für Philippes Charme, der darauf drängt, dass sie mit ihm durchbrennen und den Verlobten sitzenlassen soll. Doch die Angebetete ahnt bereits, dass ihr Verehrer schwerwiegende Charakterschwächen aufweist, die dem gemeinsamen Glück im Wege stehen. Als Micheline dem Modestar eine Abfuhr erteilt, gerät das egozentrische Weltbild Philippes ins Wanken…

Kritik:

Mit seinem Film „Falbalas“, der während der deutschen Besatzung 1944 in Frankreich gedreht worden ist, blendet Becker geschickt das Zeitgeschehen aus und taucht tief in die Welt der Mode ein, lässt einen Großteil des Dramas in den Atelierräumen von Philippe Clarence spielen und setzt das hektische Treiben von dutzenden Modellen, Sekretärinnen, Assistentinnen, Schneiderinnen authentisch in Szene, wobei die Geschichte ihren besonderen Reiz daraus zieht, dass einige der Damen Verflossene des angebeteten Modedesogners sind. Dabei zeigt schon die Anfangsszene, in der Philippe tot neben einer intakten Modepuppe liegt, umringt von einigen aufgeregten Damen, welch böses Ende ihn erwartet. Im bürgerlichen Milieu angesiedelt, schildert das Drama die Brüchigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen hinter der glatten Oberfläche von Mode und Wohlstand, und auch wenn „Falbalas“ in der Figurenzeichnung nicht besonders auftrumpfen kann, verschafft es doch einen großartigen Einblick in die Haute Couture und deren Abgründe.

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