Das Schlafzimmerfenster

Die 1990er Jahre waren die goldenen Jahre für den US-amerikanischen Filmemacher Curtis Hanson, inszenierte mit „Todfreunde: Bad Influence“, „Die Hand an der Wiege“ und „Am wilden Fluss“ unterhaltsame Thriller, bevor er mit dem zweifach Oscar-prämierten Noir-Drama „L.A. Confidential“ (1997) sein Meisterstück ablieferte. Doch schon zehn Jahre zuvor bewies er mit „Das Schlafzimmerfenster“ sein Geschick für Hitchcock-mäßige Spannung.

Inhalt:

Als Terry Lambert (Steve Guttenberg) mal wieder ein Schäferstündchen mit Sylvia (Isabelle Huppert), der Frau seines Chefs Collin (Paul Shenar), genießt, werden sie um zwei Uhr nachts von den Hilfeschreien einer Frau aufgeschreckt. Sylvia eilt noch nackt zum Fenster und sieht noch, wie ein rothaariger Mann nach oben sieht, von seinem Vorhaben, seinem Opfer noch mehr Gewalt anzutun, ablässt und flieht.
Am nächsten Tag lesen Sylvia und Terry in der Zeitung, dass eine halbe Stunde nach dem Überfall ganz in der Nähe eine andere junge Frau vergewaltigt und ermordet wurde. Terry meldet sich daraufhin als Zeuge des von ihm selbst gar nicht beobachteten Überfalls vor seinem Schlafzimmerfenster, hält aber seine Geliebte außen vor. Bei einer Gegenüberstellung durch die beiden Detectives Quirke (Carl Lumbly) und Jessup (Frederick Coffin) wiederholt Terry die mit Sylvia einstudierten Beobachtungen und lernt mit der Bar-Bedienung Denise Connelly (Elizabeth McGovern) auch das Opfer des Überfalls vor seinem Fenster kennen. Da beide den rothaarigen Mann namens Chris Henderson (Brad Greenquist) nicht identifizieren können, wird der mutmaßlich Verdächtige wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch Terry sieht sich in der Verantwortung, herauszufinden, ob Henderson der fragliche Täter sein könnte, und findet heraus, wo er wohnt und wo er arbeitet. Wenig später wird eine weitere Frau ermordet aufgefunden, die Terry aufreizend in einer Bar tanzen sah, in der auch Henderson das Geschehen beobachtet hatte. Mit Denise versucht er nun, Henderson eine Falle zu stellen, denn für die Polizei gerät Terry nach einigen Widersprüchen in seiner Aussage selbst in den Fokus der Ermittlungen…

Kritik:

Curtis Hanson („8 Mile“, „Die Wonder Boys“) ist mit „Das Schlafzimmerfenster“ nach dem Roman „The Witnesses“ von Anne Holden ein bemerkenswert stimmiger und spannender Thriller gelungen, der vor allem zeigt, dass Hanson den Suspense-Meister Alfred Hitchcock eifrig studiert hat. Nicht von ungefähr weist sein Werk starke Parallelen zu „Das Fenster zum Hof“ auf, doch ist sein Protagonist Terry nicht dazu verdammt, am Rollstuhl gefesselt in seiner Wohnung eingeschlossen zu sein. Da der Täter von Beginn an feststeht, geht es vor allem darum, ihn quasi auf frischer Tat zu ertappen, weshalb Terry und das überlebende Opfer des ersten Überfalls enorme Risiken eingehen. Der Umstand, dass Terry den ersten Vorfall selbst gar nicht beobachtet zu haben, verleiht der Story eine prickelnde Note, die durch die erotischen Momente mit Isabelle Huppert und später auch Elizabeth McGovern eine weitere Komponente aufweisen. Bis zum packenden Finale schraubt Hanson gekonnt an der Spannungsschraube und liefert einen großartigen Thriller mit starken Darstellern ab.

 

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