Seit Mitte der 1950er Jahre hat sich Stanley Kramer
als Produzent und Regisseur einen Namen machen können, wobei er gleich mit
seinem dritten Werk „Flucht in Ketten“ (1958) einen Klassiker der
Filmgeschichte schuf. Ein Jahr darauf präsentierte Kramer mit „Das
letzte Ufer“ ein postapokalyptisches Drama mit Hollywood-Starbesetzung.
Inhalt:
In der nahen Zukunft ist nach einem verheerenden Atomkrieg die
nördliche Hemisphäre so gut wie komplett zerstört und radioaktiv verseucht. Während
überall auf der Welt die verschmutzte Luft die letzten Reste der Menschheit
dahinrafft, bietet Australien noch ein letztes Refugium für die Überlebenden. Der
mitreisende Atomwissenschaftler Julian Osborne (Fred Astaire) entdeckt
durch Messungen mit einem Geigerzähler, dass die Radioaktivität weiter steigt
und es auch für Australien keine Hoffnung auf Überleben gibt. Als dann die
australische Marine ein andauerndes mysteriöses, da größtenteils
unverständliches Morsesignal von der Westküste der USA erhält, macht man sich
vorsichtig Hoffnung auf Überlebende und einen sicheren Ort. Während sich die
Bevölkerung auf das unausweichliche Ende vorbereitet, wird Kapitän Dwight
Towers (Gregory Peck) samt der Besatzung des U-Boots USS Sawfish mit der
Mission betraut, dem Ursprung des Signals nachzugehen. Zuvor hat er kurz nach
der Ankunft seines Bootes in Australien bei einer Party die attraktive, aber rührselige
und alkoholkranke Moira Davidson (Ava Gardner) kennengelernt, in die er
sich zu verlieben beginnt. Moira trifft es schwer, dass Towers so bald schon
wieder in See stechen muss. Insbesondere sein Unteroffizier Peter Holmes (Anthony
Perkins) hofft auf eine Rettung, die seine junge Familie, seine Frau Mary (Donna
Richardson) und ihr junge Tochter Jennifer, vor dem Tod bewahrt. Doch ihre
Mission ist riskant und mit jedem Tag schwindet die Hoffnung der Menschen auf
eine Rettung…
Kritik:
Stanley Kramer verfilmte mit „Das letzte Ufer“
den gleichnamigen Roman von Nevil Shute und formt mit eindringlichen
Bildern das erschreckende Szenario der Vernichtung der Menschheit nach einem
Atomkrieg. Vor allem in der Figur des Atomwissenschaftlers Julian Osborne, der
an der Entwicklung der Atombombe mitgewirkt hat, wird deutlich, dass vielleicht
nur ein unbedachter Moment, ein Augenblick der Ungewissheit ausgereicht hat,
dass ein Regierungschef auf den Knopf drückte und eine entsprechende Gegenreaktion
auslöste. Doch Kramers Film befasst sich eher mit den persönlichen
Schicksalen einiger weniger Menschen, der jungen Familie Holmes beispielsweise,
in der der Unteroffizier Holmes Sorge dafür trägt, dass seine Frau und seine
Tochter die Pillen erhalten, um das Leiden des unausweichlichen Endes
abzukürzen, während er selbst unter Wasser einer Mission ohne Wiederkehr
unterwegs ist. Und da ist natürlich die Liebesgeschichte zwischen dem US-amerikanischen
U-Boot-Kommandanten, der noch immer den Tod seiner Frau und seiner beiden
Kinder betrauert, und der attraktiven, aber einsamen Alkoholikerin Moira.
„Das letzte Ufer“ beschreibt anhand ausgewählter Schicksale,
wie unterschiedlich die Menschen mit dem drohenden Tod nach einer
Atomkatastrophe umgehen, wie gut sie sich auf das nahende Ende vorbereiten oder
sich noch einen letzten Traum erfüllen. Auch wenn das Drama vor allem
Hollywood-Star-Kino präsentiert, reißt es mit eindringlichen Bildern und
Dialogen noch universelle Themen menschlicher Fehlbarkeit und Sehnsüchte an.
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