Spätestens die Super-GAUs von Tschernobyl im Jahr 1986 und
im japanischen Fukushima 2011 weckten weltweit eine skeptische Haltung
gegenüber der Atomkraft. In dieser Hinsicht wirkt der heute fast schon
vergessene Thriller „Das China-Syndrom“ (1979) nahezu prophetisch, wurde
hier doch erstmals ernsthaft in Hollywood versucht, auf die drohende Gefahr
einer Kernschmelze hinzuweisen – und das mit einem Star-Trio in den
Hauptrollen: Michael Douglas (der den Film auch produzierte), Jane
Fonda und Jack Lemmon.
Inhalt:
Durch ihr wallendes rotes Haar und attraktives Aussehen
sorgt die Fernsehjournalistin Kimberly Wells (Jane Fonda) mit ihren
unterhaltsamen Beiträgen über Tiergeburtstage im Zoo oder gesungene
Grußbotschaften für steigende Quoten bei ihrem kalifornischen Sender. Als sie
im Rahmen ihrer Reportage über die Energieversorgung in Kalifornien mit ihrem Kameramann
Richard Adams (Michael Douglas) ein nahegelegenes Kernkraftwerk besucht,
werden sie dort Zeugen eines besorgniserregenden Vorfalls. Das anfängliche
Vibrieren weichte einer offenbar ernsthaften Störung, denn die beiden
Journalisten beobachten, wie in der Kommandozentrale unter Leitung des
Ingenieurs Jack Godell (Jack Lemmon) nicht nur sämtliche Warnsignale
aufleuchten, sondern eine allgemeine Nervosität zu spüren ist. Richard lässt
heimlich die Kamera laufen und hat damit eine höchst brisante Story auf Band.
Allerdings stellen sich die Verantwortlichen des Senders wegen der befürchteten
juristischen Konsequenzen schnell quer, aber auch AKW-Betreiber und Kabelsender-Chef
Jacovich (Peter Donat) verhindern im Schulterschluss jede Form der
seriösen, investigativen und unbequemen Berichterstattung im. Dock Godell will
die Sache nicht auf sich beruhen lassen und beginnt eigene Untersuchungen zu
dem Vorfall, der sich jederzeit – mit weitaus schlimmerem Ausgang – wiederholen
könnte…
Kritik:
Mit der Veröffentlichung des Berichts „Die Grenzen des
Wachstums“ durch den Club of Rome (1972), der ersten Ölkrise (1973) und
nicht zuletzt der Watergate-Affäre (1974) ging eine tiefgreifende Skepsis
gegenüber etablierten Autoritäten und Institutionen einher. Dieses
gesellschaftliche Unbehagen greift James Bridges‘ („Urban Cowboy“, „Mike’s
Murder“) Thriller sehr geschickt auf. Dabei wirft er zunächst
einen interessanten Blick auf das Mediengeschäft, wobei Jane Fondas Figur ohne Umschweife wegen
ihres Aussehens für die guten Quoten verantwortlich gemacht wird. Ernsthafte
Reportagen taugt man ihr dagegen nicht zu. Neben dieser sexistischen Einstellung
wird der Blick alsdann auf die Verflechtung von Medien, Politik und Wirtschaft gelenkt,
ehe sich der Plot nach dem Beinahe-GAU eher auf Thriller-Niveau hinabsinkt,
wenn die Entscheidungsträger skrupellos Jagd auf die Gefährder ihrer
Unternehmungen machen. Diese Bosse bleiben zumeist im Hintergrund, etwas
klischeehaft oder auch nur unbeholfen zu Bösewichtern hinter den Kulissen reduziert.
Dafür können vor allem Jane Fonda („Barbarella“, „Barfuß im Park“) als zunehmend
engagierte Investigativ-Journalistin und Jack Lemmon („Ein verrücktes
Paar“, „Glengarry Glen Ross“) als verantwortungsbewusster Ingenieur punkten.
Inhaltlich hätte „Das China-Syndrom“ durchaus mehr in die Tiefe gehen
können, doch als unterhaltsamer Thriller mit ernstem Hintergrund funktioniert
der Film nach wie vor gut.
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