Don’t Look Back – Schatten der Vergangenheit
Die Französin Marina de Van hatte bereits mehrere
Kurzfilme gedreht und wiederholt als Drehbuchautorin und Darstellerin mit
Regisseur François Ozon („Unter dem Sand“, „8 Frauen“) zusammengearbeitet,
bevor sie 2009 mit „Don’t Look Back – Schatten der Vergangenheit“ ihren
ersten Langfilm inszenieren durfte – und dann noch mit den beiden europäischen
Spitzen-Darstellerinnen Sophie Marceau und Monica Bellucci in den
Hauptrollen.
Inhalt:
Die französische Journalistin Jeanne (Sophie Marceau)
will mit ihrem ersten Roman ihre eigene Biografie festhalten, doch raten ihr
sowohl ihr Verleger als auch ihre Mutter Nadia (Brigitte Catillon) davon
ab. Es sei doch besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Aufgrund eines
Unfalls in ihrer Kindheit kann sich Jeanne nicht an die Zeit vor ihrem achten
Geburtstag erinnern. Als sie nach dem Verlassen des Verlagsgebäudes Zeugin
eines Autounfalls wird, fängt Jeanne an zu weinen. Sie holt anschließend ihren
Sohn und ihre Tochter bei ihrer Mutter Nadia ab. Während sie zu Hause für die
Kinder und ihren Mann Teo (Andrea
Di Stefano) das
Abendessen vorbereitet, filmt sie Teo mit einer Kamera. Als sie sich die
Aufnahmen später gemeinsam anschauen, bemerkt Jeanne, dass der Esstisch anders
steht als sonst. Doch das ist erst der Anfang von kleinen wie großen
Veränderungen in Jeannes Umgebung. Auch ihre Kinder und Teo kommen ihr
zunehmend fremd vor.
Eines Abends betrachtet sich Jeanne im Spiegel und ist schockiert,
als plötzlich eine Hälfte ihres Gesichts eine andere Frau zeigt. Teo versucht
sie vergeblich zu trösten und wird von seiner Frau beim Sex sogar weggestoßen. Als
Jeanne Zuflucht bei ihrer Mutter sucht, die im Casino Poker spielt, verwandelt
sich Jeanne beim Warten auf ihre Mutter vollends in die andere Frau (Monica
Bellucci).
In ihrem alten Kinderzimmer findet Jeanne in einer Schublade
ein Foto aus ihrer Kindheit, das sie als blondes Mädchen zeigt. Neben ihr sind darauf
auch zwei Frauen zu sehen – eine davon ist die Frau, die sie nun als ihre
Mutter vor sich sieht; bei der anderen handelt es sich um die Frau, die sie
zuvor stets als ihre Mutter wahrgenommen hatte.
Um eine Erklärung für ihre merkwürdigen Sinneswahrnehmungen
zu finden, reist Jeanne mit dem Zug in die italienische Stadt, wo das Foto
einst entstand. In einem Restaurant trifft sie auf die Frau, die sie für ihre
wahre Mutter hält, und in Gianni, der ebenfalls in dem Restaurant arbeitet, erkennt
Jeanne ihren Mann Teo wieder, der sich beim Sex allerdings wieder anders
anfühlt, als sie es in Erinnerung hat…
Kritik:
Mit „Don’t Look Back – Schatten der Vergangenheit“ ist
Marina de Van ein ungewöhnlicher Psycho-Thriller gelungen, der die
bekannte Prämisse einer Person auf der Suche nach ihrer Vergangenheit
interessant visualisiert, indem sie die Persönlichkeitsveränderung ihrer Protagonistin
Jeanne auch bildlich umsetzt, so dass der Zuschauer jedes Mal sofort sehen
kann, was mit Jeanne vorgeht, auch wenn er es selbst nicht versteht. Allerdings
entsteht aus dieser Verwandlung, die auch Jeannes Familie betrifft, nicht die
erhoffte Spannung und verkommt zum bloßen Selbstzweck. Mit Jeannes Reise nach Italien
scheint sich zwar kurz das Tor zu einer glaubwürdigen Auflösung zu öffnen, doch
lässt die Filmemacherin, die auch am Drehbuch mitgewirkt hat, die Chance
ungenutzt und sorgt mit dem überhastet inszenierten Finale eher für Unmut denn
Verständnis oder gar Aufklärung. Am Ende ist es allein das Vergnügen, Sophie
Marceau und Monica Bellucci gemeinsam vor der Kamera zu erleben, das „Don’t
Look Back – Schatten der Vergangenheit“ halbwegs interessant macht.
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