Schieß, solange du kannst

Claude Sautet ist vor allem durch seine Dramen im bürgerlichen Milieu mit Romy Schneider („Die Dinge des Lebens“, „Mado“) und zuletzt Emmanuelle Béart („Ein Herz im Winter“, „Cesar und Rosalie“, „Nelly & Monsieur Arnaud“) bekannt geworden, doch schon in den 1960er Jahren machte er mit dem Thriller „Der Panther wird gehetzt“ (1960) und „Schieß, solange du kannst“ (1965) auf sich aufmerksam.

Inhalt:

Der erfahrene Kapitän Jacques Cournot (Lino Ventura) soll in Santo Domingo für Hugo Hendrix (Alberto de Mendoza) der Witwe Rae Osborne (Sylva Koscina) die Luxusyacht Dragoon abkaufen und in die Karibik überführen. Nach der Inspektion des Schiffes schickt er in Hendrix‘ Auftrag der Witwe ein Telegramm, dass er den Kaufpreis um 10.000 Dollar auf 60.000 reduzieren wolle, doch bevor der Handel abgeschlossen werden kann, verschwindet die Dragoon spurlos, was die Polizei auf Cournot bringt. Die Witwe will das besagte Telegramm nicht erhalten haben, erst nach Cournots ausführlicher Befragung gibt sie an, dass ihr das Telegramm nachgeschickt worden sei. Nun will sie mit Cournots Hilfe das Schiff wiederfinden. Immerhin wird es wenig später auf einer Sandbank liegend aufgefunden, ebenso das einzige Rettungsboot. Als sich der Kapitän und die Witwe mit einem Wasserflugzeug zum Schiff aufmachen, werden sie allerdings bei der Ankunft auf der Dragoon überrascht, denn der Gangster Morrison (Leo Gordon) hat auf dem Schiff mit seinen Komplizen dort Waffen gelagert und zwingt Cournot, das Schiff wieder seetüchtig zu machen…

Kritik:

Der US-amerikanische Autor Charles Williams zählte in den 1950er Jahren zu den sogenannten Hardboiled-Autoren, ehe er seine Romane vor allem auf dem Wasser spielen ließ. Das erklärt, warum die thematisch ähnlich gelagerten Thriller „Schieß, solange du kannst“ und Philip Noyces „Todesstille“ (1989) jeweils auf Romanen von Williams beruhen. Auch wenn in Sautets Thriller die sexuelle Komponente fehlt, die bei „Todesstille“ viel ausgeprägter zum Ausdruck kommt, steht mit der Witwe Rae Osborne doch eine attraktive Frau im Zentrum des Geschehens, wenn auch weniger als Lustobjekt denn als unnahbare Auftraggeberin. Nach dem etwas wirren Anfang um den Kauf der Dragoon und ihres Verschwindens vor dem Hintergrund eines Waffendeals präsentiert sich „Schieß, solange du kannst“ als psychologisch intensives Kammerspiel auf dem Wasser, wobei das Psychoduell zwischen Morrison und Cournot letztlich weder besonders originell noch spannend verläuft. Doch Sautet setzt Lino Ventura („Der Maulwurf“, „Der Clan der Sizilianer“) und Leo Gordon („Mein Name ist Nobody“, „Mit der Waffe in der Hand“) gut in Szene und bringt mit der attraktiven Sylva Koscina („Unser Mann aus Istanbul“, „Das Wespennest“) auch weibliche Reize ins Spiel.

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