Die Nacht ist meine Welt

Seit seinen Hauptrollen in Jean Renoirs „Die große Illusion“ (1937) und Marcel Carnés „Hafen im Nebel“ (1938) hat sich Jean Gabin als einer der profiliertesten Darsteller des französischen Kinos etabliert. 1951 spielte er in Georges Lacombes Melodram „Die Nacht ist meine Welt“ eine ungewöhnlich rührselige Rolle.

Inhalt:

Der Lokomotivführer Raymond Pinsard (Jean Gabin) ist wieder einmal mit seinem Freund und als Heizer arbeitenden Kollegen unterwegs, als nach dem Schließen des Heizkessels Wasserdampf entweicht. Pinsard, der seine Schutzbrülle zuvor abgesetzt hatte, will seinem schwer verletzten Kollegen beistehen, doch kommt für ihn jede Hilfe zu spät. Er selbst erblindet bei dem Vorfall und hat jeden Lebensmut verloren. Erst als Jean Gaillard (Jacques Dynam) kennenlernt, der trotz seiner eigenen Erblindung Rundfunkgeräte repariert, lässt er sich dazu überreden, eine Blindenschule zu besuchen. Dort lernt er nicht nur, sich als Blinder wieder zurechtzufinden und eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben, er versucht sich auch am Erlernen der Blindenschrift. Für die einfühlsame, blinde Lehrerin Louise Louveau (Simone Valère) beginnt er sogar Gefühle zu entwickeln. In dem Glauben, in ein paar Monaten nach einer Operation wieder sehen zu können, verabredet sich Pinsard mit der Lehrerin, ahnt aber nicht, dass sie mit Buchhalter Lionel Moreau (Gérard Oury) verlobt ist, der eifersüchtig auf die Freundschaft zwischen seiner Verlobten und Pinsard ist…

Kritik:

Georges Lacombe („Café de Paris“, „Geheimnis im Hinterhaus“) ist mit „Die Nacht ist meine Welt“ ein einfühlsames Drama über die schwierige Rehabilitierung blinder Menschen gelungen, das ausführlich beschreibt, wie Blinde durch Erlernen eines Handwerks und der Brailleschrift wieder ein halbwegs normales Leben führen können. Im Mittelpunkt steht allerdings die melodramatisch etwas aufgebauschte Beziehung, die Pinsard mit der jungen Lehrerin eingehen möchte und sich dabei in Konkurrenz mit einem nicht seines Augenlichts beraubten Buchhalters sieht, der sich aus Eifersucht zu einer Verzweiflungstat hinreißen lässt. Jean Gabin überzeugt einmal mehr in der Rolle des einfachen Mannes, der durch einen Schicksalsschlag wieder langsam zu seiner früheren Lebensfreude zurückfindet und dabei einige Hürden überwinden muss. Aber auch Simone Valère („Der Pakt mit dem Teufel“, „Das Mädchen und der Mörder“) füllt ihre Rolle als Identifikationsfigur einer Blinden, die das Beste aus ihrem Schicksal macht, wunderbar aus. Das Dreiecksverhältnis hätte es allerdings nicht unbedingt gebraucht, um „Die Nacht ist meine Welt“ funktionieren zu lassen. Der genaue Blick auf das Los seiner Figuren allein reicht bereits aus, um das Publikum mitfühlen zu lassen.

Kommentare

Beliebte Posts