Old Shatterhand

Karl May (1842-1912) zählt nicht nur zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren, sondern seine Werke wurden auch sehr erfolgreich verfilmt, vor allem die Geschichten rund um den Apachen-Häuptling Winnetou. Nachdem sich der deutsche Filmproduzent Horst Wendlandt von der Rialto Film die Rechte an den Karl-May-Romanen gesichert hatte, entstanden 1962 unter der Regie von Harald Reinl die ersten Leinwandadaptionen. Nach dem Erfolg von „Der Schatz im Silbersee“ (1962) und „Winnetou I“ (1963) wollte auch Artur Brauner ein Stück vom Kuchen abhaben und realisierte mit Pierre Brice und Lex Barker in den Hauptrollen 1964 „Old Shatterhand“, ohne dass es dazu einen Karl-May-Roman als Vorlage gegeben hätte.

Inhalt:

General Taylor (Charles Fawcett) bereitet den Friedensvertrag zwischen der Regierung und den Apachen vor. Den Gangstern Dixon (Rik Battaglia) und Burker (Mirko Ellis) sowie ihren uniformierten Helfershelfern ist das ein Dorn im Auge, wollen sie doch um jeden Preis in den Besitz des ausgezeichneten Weidelandes der Apachen gelangen. Also überfallen sie von Weißen bewirtschaftete Farmer und Siedler, wobei sie die Überfälle so aussehen lassen, als wären Apachen dafür verantwortlich. Als sie das Ehepaar der Northern Ranch töten, übersehen die Gangster den kleinen Tom, der daraufhin bei der Halbindianerin Paloma (Daliah Lavi) Unterschlupf findet. Für Old Shatterhand (Lex Barker), der Paloma zu ihrem Onkel nach Sacramento bringen will, ist Tom ein wichtiger Zeuge. Die drei schließen sich einem von der Armee gesicherten Siedlertreck an, der nach Westen zieht.
In einer engen Schlucht werden sie von Indianern überfallen. Und wieder werden zwei tote Apachen gefunden. Nach der Attacke zieht die Kolonne weiter nach Golden Hill. Old Shatterhand lässt Paloma und Tom bei Barsängerin Rosemary (Kitty Mattern) und dem Scout Sam Hawkens (Ralf Wolter) zurück und reitet zu seinem Freund, Apachen-Häuptling Winnetou (Pierre Brice). Den beiden erfahrenen Männern ist klar, dass Weiße und Komantschen hinter den Überfällen stecken müssen. Zwar kann Winnetou General Taylor davon überzeugen, am Friedensvertrag festzuhalten, doch als der korrupte Captain Bradley (Guy Madison) das Kommando im Fort übernimmt, zwingt er Winnetou, das Fort anzugreifen, um seinen Adoptivsohn Tujunga (Alain Tissier) und Old Shatterhand aus der Gefangenschaft zu befreien…

Kritik:

Es war für alle Beteiligten kein Leichtes, mit „Old Shatterhand“ einen Karl-May-Film ohne entsprechende Buchvorlage und vor allem ohne das Rialto-Produktionsteam zu realisieren. Doch am Ende ist Regisseur Hugo Fregonese mit dem zweistündigen Abenteuer ein unterhaltsamer Western nach US-amerikanischem Vorbild gelungen, der vor dem Hintergrund der Friedensbemühungen zwischen den Weißen und den Indianern die verschiedenen Bemühungen der Weißen thematisiert, persönlichen Gewinn aus dem beabsichtigten Scheitern der Verhandlungen zu ziehen, und der Indianer, das Abkommen nicht zu gefährden. Die Figurenzeichnung bleibt dabei recht eindimensional, so dass sich das Vergnügen eher auf die Landschaftsaufnahmen und die Intrigen fokussiert, mit denen egoistische Weiße die Indianer zu diskreditieren versuchen. Durchaus angenehm gegenüber den Rialto-Produktionen ist bei „Old Shatterhand“ der raue Ton und das Zurückfahren allzu kitschiger Elemente. Mit Daliah Lavi als Paloma ist auch noch eine echte Schönheit zu bewundern, ohne dass sie sich in eine romantische Liaison stürzen muss. Trotzdem ist der Film mit zwei Stunden etwas zu lang geraten.

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