Eine ganz persönliche Affäre

Bevor die französische Schauspielerin Marion Cotillard als Edith Piaf in „La Vie En Rose“ (2007) oder Hollywood-Produktionen wie „Public Enemies“ (2009) und „Inception“ (2010) auch international bekannt wurde, ist die Oscar-Preisträgerin bereits in ihrem Heimatland sehr umtriebig gewesen. So ist sie neben Thierry Lhermitte die Hauptdarstellerin in dem modernen Film noir „Eine ganz persönliche Affäre“ von Regisseur und Drehbuchautor Guillaume Nicloux („To the Ends of the World“, „Valley of Love – Tal der Liebe“).

Inhalt:

Nachdem die Polizei vergeblich nach der vor sechs Monaten spurlos verschwundenen Studentin Rachel Spirien gesucht hat, beauftragt deren Mutter (Aurore Clément) den Privatdetektiv François Manéri (Thierry Lhermitte), nach ihr zu suchen. Er erkundigt sich bei der Polizei nach den bislang gewonnenen Erkenntnissen und beginnt seine Spurensuche in Rachels näheren Umfeld, befragt Rachels beste Freundin Clarisse Entoven (Marion Cotillard), ihren ehemaligen Freund, den Stiefvater, die Nachbarn. Bei all seinen Nachforschungen und beharrlichen Fragen, die er Personen aus ihrem Umfeld stellt, bleiben viele Lücken, über die er seine Vermutungen anstellt. Vor allem die geheimnisvolle Clarisse scheint mehr zu wissen, als sie preisgeben will. Als er ein Verhältnis mit Clarisse anfängt, verkompliziert sich sein ohnehin schon schwieriges Privatleben, mit einer Exfrau, einer Geliebten mit einem eifersüchtigen Ehemann und mit Spielschulden. Schließlich entdeckt er Hinweise, die in einen Swinger-Club führen, Rachel scheint ein ausschweifendes Sexualleben geführt zu haben. Im Laufe seiner Nachforschungen, bei denen er allmählich ihre Spur aufzunehmen scheint, wird er von zwei Unbekannten bedroht, die ihm zwei Finger brechen und ihm die Nase demolieren. Als die Leichenteile einer unbekannten Frau gefunden werden, nimmt die Polizei ihre Ermittlungen wieder auf, nimmt sie doch an, bei der Toten handele sich um Rachel…

Kritik:

Guillaume Nicloux inszenierte mit „Eine ganz private Affäre“ in vertrauter Film-noir-Manier einen in Tempo und Spannung gemächlich sich entwickelnden Krimi, bei dem es von Anfang an unklar ist, ob Manéri überhaupt einem Verbrechen auf der Spur ist. Das Krimidrama nimmt sich viel Zeit, vor allem das verkorkste Privatleben des kettenrauchenden, wortkargen Privatdetektivs zu präsentieren, der ganz in der Tradition von klassischen Hard-Boiled-Detektiven wie Philip Marlowe, Lew Archer und Sam Spade steht – nur eben ohne Trenchcoat. Einen guten Schlag bei den Frauen hat Manéri jedenfalls, doch scheint er die sexuellen Zwischenspiele sowohl mit einer verheirateten Frau als auch mit Clarisse eher unbeteiligt mitzunehmen, als sie wirklich zu forcieren. Ähnlich gelassen nimmt er die schwierige Beziehung zu seiner Ex-Frau und die Tilgung seiner Spielschulden hin, dafür scheint er bei der Suche nach der Vermissten ein gutes Gespür zu entwickeln. Besonders spannend ist der Plot nicht, die Inszenierung wabert so vor sich hin, aber die Atmosphäre überzeugt ebenso wie die Darsteller.

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