Walkabout – Der Traum vom Leben

Der Brite Nicolas Roeg („Wenn die Gondeln Trauer tragen“, „Eureka“) war schon in den 1950er Jahren als Kameramann tätig – darunter für „Tarzans größtes Abenteuer“ (1959) und „Lawrence von Arabien“ (in der Second Unit, 1962), ehe er 1971 mit der Verfilmung von James Vance Marshalls 1959 veröffentlichten Roman „The Children“ unter dem Titel „Walkabout – Der Traum vom Leben“ sein beeindruckendes Regiedebüt feiern durfte.

Inhalt:

Bei einem Ausflug in die Wüste bereitet das puber­tie­rende Mädchen (Jenny Argutter) gerade ein Picknick vor, während ihr kleiner Bruder (Luc Roeg) mit seinen Spielsachen zugange ist und der Vater im Auto noch eine Akte durchgeht, da eröffnet der Vater plötzlich mit einer Pistole das Feuer auf seine Kinder, steckt den Wagen in Brand und erschießt sich schließlich selbst. Ohne Rückkehrmöglichkeit sind die beiden Geschwister der gnadenlosen Hitze in der Wüste ausgeliefert, finden aber bald eine kleine Oase mit einem Wasserloch und Früchten an den Bäumen. Als am nächsten Tag das Wasser verdunstet ist, sind die beiden froh, als sie dem jungen Aborigine (David Gulpill) begegnen, den sie zwar nicht verstehen, der sie aber mit auf seinen „Walkabout“ mitnimmt, der einem Mannbarkeitsritual entspricht. Gemeinsam streifen sie nicht nur durch die ebenso feindliche wie betörende Natur, sondern auch den Überresten einer stillgelegten Mine und verlassenen Häusern…

Kritik:

Nicolas Roeg (1928-2018) stellt gleich zu Beginn seines Films mit der Begriffserklärung zum „Walkabout“ und dem hektischen Treiben in der Großstadt die Entfremdung der Zivilisation von der Natur heraus, was er in der collagenartigen Montage gerade von Jagd- und Schlachtszenen auch in der Folge immer wieder betont. Indem er ein wohlbehütetes Geschwisterpaar in der Wüste aussetzt, thematisiert er ihren Überlebenskampf, die unerträgliche Hitze, Sonnenbrände, die lebensnotwendige Suche nach Wasser und Nahrung, die Strapazen der Wanderung durch die Wüste, Felsen und Hügel. Erst als sie dem Aborigine begegnen, der sich fröhlich und geschickt durch die Landschaft bewegt und mit seinem Speer Kängurus, Echsen und Fische erlegt, fühlen sich der Junge und das Mädchen in Sicherheit, haben wieder Hoffnung, in die Zivilisation zurückzufinden. Die Zivilisationskritik gerade in den Jagdszenen und vor allem in der Schlussszene wirkt zwar etwas dick aufgetragen, doch „Walkabout“ vermittelt einen einfühlsamen Einblick in die Welt der Aborigines. Und auch der Aborigine lässt sich auf die fremden Weißen an. Der Teenager betrachtet in dem etwa gleichaltrigen Mädchen durchaus ein Objekt der Begierde, wie die Badeszenen und verstohlenen Blicke des Jungen verdeutlichen. Doch in erster Linie darf „Walkabout“ als Mahnung verstanden werden, den Zugang zu unserer natürlichen Umgebung nicht zu verlieren.

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