Die 1990er waren geprägt von opulenten Neuinterpretationen
klassischer Horrorstoffe, die in den 1930er Jahren vor allem durch die Universal-Produktionen
mit Bela Lugosi und Boris Karloff berühmt geworden sind. Nach Francis
Ford Coppolas bildgewaltigem „Bram Stokers Dracula“ (1992) und Kenneth
Branaghs „Mary Shelleys Frankenstein“ (1994) war es an Mike
Nichols („Die Reifeprüfung“, „In Sachen Henry“), das Werwolf-Thema
neu zu besetzen. In seinem Film „Wolf - Das Tier im Manne“ (1994) adaptierte
er allerdings keine berühmte literarische Vorlage, sondern ein eher
durchwachsenes Drehbuch, das Satire, Romantik und Tierhorror zu verbinden versucht.
Inhalt:
Bei schlechter Sicht fährt der Verleger Will Randall (Jack
Nicholson) nachts auf verschneiter Straße in einen Wolf. Als er herauszufinden
versucht, ob das Tier noch lebt, wird er in die Hand gebissen. Wenig später
bemerkt Randall nicht nur den Haarwuchs an der Wunde, sondern auch eine
Verschärfung seiner Sinne und einen animalischen Trieb. Das verhilft ihm, sich gegen
seinen ehrgeizigen Protegé Stewart Swinton (James Spader) durchzusetzen,
der sich bei dem Millionär Raymond Alden (Christopher Plummer) bereits
in Stellung gebracht hat, um Randalls Posten zu beerben. Als Randall das
Anwesen von Alden aufsucht, um ihm mitzuteilen, dass er den angebotenen Job in
Osteuropa nicht annimmt, lernt er dessen attraktive Tochter Laura (Michelle
Pfeiffer) kennen und verliebt sich in sie, nachdem er durch seinen
verfeinerten Geruchssinn festgestellt hat, dass seine Frau Charlotte (Kate
Nelligan) ausgerechnet mit Swinton eine Affäre unterhält. Als Charlotte mit
zerfetzter Kehle aufgefunden wird, übernimmt Detective Bridger (Richard
Jenkins) die Ermittlungen. Es dauert nicht lange, bis Laura feststellt,
welch dunkles Geheimnis Randall umgibt…
Kritik:
Zwar ahnt man bereits in der ersten Szene, als Randall von
einem Wolf gebissen wird, worauf die Geschichte hinausläuft, doch „Wolf –
Das Tier im Manne“ erweist sich nicht als klassische Horror-Mär, sondern
legt erst einmal viel Wert darauf, die Verlagswelt und Randalls Rolle darin zu
beschreiben, wobei Jack Nicholsons Figur als Mann mit Stil und Qualitätsbewusstsein
dargestellt wird, der sich zunächst seinem Schicksal ergibt, von Alden an die
Luft gesetzt zu werden. Interessant wird die Geschichte dann, wenn Randalls
Sinne durch den Wolfsbiss geschärft werden und er Dinge an seinen Mitmenschen
wahrnimmt, die sie ebenso erstaunen wie ihn selbst. Er hat auf einmal wieder leidenschaftlichen
Sex mit seiner Frau und bietet seinem feigen Konkurrenten endlich die Stirn.
Hier funktioniert „Wolf“ hervorragend als bissige Satire auf die
Verlagswelt, die Männlichkeit und das Konkurrenzdenken. Etwas unausgegorener
und unstimmiger wird es erst, als sich die Liebesgeschichte zwischen Randall
und Laura entwickelt und auch noch ein eher nachlässig inszenierter Krimiplot
implementiert wird, bevor das Werwolf-Thema zum Finale ausgespielt wird,
allerdings im Vergleich zu ähnlichen Produktionen recht zahm. Es ist letztlich
dem hervorragenden Cast und der stimmungsvollen Musik von Ennio Morricone
zu verdanken, dass „Wolf“ nicht gänzlich unter die Räder kommt. Jack
Nicholson bei seiner Verwandlung in einen Werwolf zu beobachten, macht
jedenfalls höllisch Spaß.
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