Die innere Sicherheit

Christian Petzold hatte in den 1990er Jahren bereits einige interessante Fernsehfilme („Die Beischlafdiebin“, „Cuba Libre“) inszeniert, bevor er 2000 die Chance bekam, seinen ersten Kinofilm zu realisieren. „Die innere Sicherheit“ stellt dabei ein Terrorismus-Drama der besonderen Art dar und etablierte Petzold im Nu als einen der interessanteren Autorenfilmer der sogenannten „Berliner Schule“.

Inhalt:

Die 15-jährige Jeanne (Julia Hummer) lebt mit ihren Eltern, den ehemaligen RAF-Terroristen Clara (Barbara Auer) und Hans (Richy Müller) im Untergrund in Portugal, wo sie aus Angst vor einer Enttarnung den Kontakt zu Außenstehenden auf das Nötigste beschränken. Als Jeanne sich in den Surfer Heinrich (Bilge Bingül) verliebt und die finanziellen Reserven der Familie sowohl aus dem Versteck in der Wohnung als auch aus dem Schließfach am Bahnhof gestohlen werden, müssen Clara, Hans und Jeanne überstürzt das Land verlassen, um in Deutschland über ihre alten Kontakte wieder an Geld und Unterkunft zu kommen. Jeanne erinnert sich an ein leerstehendes Haus in Hamburg, das Heinrichs Familie gehört hat und nun zur neuen Heimat der Familie wird. Doch als auch Heinrich wieder in Hamburg auftaucht, droht die Identität der Terroristen erneut aufzufliegen. Da die finanzielle Unterstützung ausbleibt, planen Clara und Hans einen Banküberfall…

Kritik:

Petzolds Drama „Die innere Sicherheit“ ist vor allem deshalb so ungewöhnlich, weil es die Folgen des Terrorismus aus dem Inneren einer Familie und hier vor allem aus der Perspektive eines 15-jährigen Mädchens aufarbeitet, das sich nur nach einem normalen Teenager-Leben sehnt, das es nie erleben wird. Vor allem durch die erste Liebe, die Jeanne erlebt, wird ihr die Unmöglichkeit dieses Wunsches vor Augen führt, weil sich ihre Eltern noch mehr schutzlos ihrer Umwelt ausgesetzt sehen. Da Clara und Hans das Geld ausgeht, ist Jeanne zudem gezwungen, hässliche Klamotten aus der Altkleidersammlung zu tragen. Kaufhausdiebstähle erhöhen nur das Risiko, ihre Eltern auffliegen zu lassen. Also ergibt sich Jeanne notgedrungen ihrem Schicksal, das ihr durch die politische Vergangenheit ihrer Eltern aufgezwungen wird. Petzold bleibt stets bei seiner jungen Protagonistin, während ihre Eltern eher als Rollenmodell fungieren, denn als eigenständige Persönlichkeiten. Selbst der Umstand, dass sie RAF-Terroristen gewesen sind, wird im Film nie explizit ausgesprochen, sondern erschließt sich rein aus dem Kontext. „Die innere Sicherheit“ macht vor allem deutlich, in was für einem leeren Raum die Familie lebt, auf sich selbst angewiesen, immer in Angst vor den drastischen Folgen ihres Tuns, was auch Jeanne immer wieder fliehen (wenn auch nur vor dem Sex ihrer Eltern) und lügen lässt. Petzold gelingt es dabei hervorragend, die Isolation, die Paranoia und Anspannung deutlich zu machen. Vor allem Julia Hummer („Crazy“, „Gespenster“) überzeugt dabei als hin und her zwischen Familiensinn und eigener Identität schwankendes Teenager-Mädchen.

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