Black Out – Anatomie einer Leidenschaft
Nach seinen ersten Erfolgen mit „Walkabout“ (1971), „Wenn
die Gondeln Trauer tragen“ (1973) und „Der Mann, der vom Himmel fiel“
(1976) blieb der britische Kameramann und Regisseur Nicolas Roeg seiner
Linie treu und inszenierte 1980 mit „Black Out – Anatomie einer Leidenschaft“
ein intensives Psycho- und Sex-Drama, in dem neben Theresa Russell in
einer ihrer ersten Rolle auch der Folkmusiker Art Garfunkel überzeugt.
Inhalt:
Während der Kalte Krieg im Jahr 1979 seine Fronten aufweicht, wird die junge Milena (Theresa Russell) mit einer Überdosis ins Krankenhaus gebracht, an ihrer Seite der Psychoanalytiker Alex Linden (Art Garfunkel), der bei der Einlieferung allerdings darauf besteht festzuhalten, dass sie nicht seine Patientin sei. Sowohl Milena, die kaum noch bei Bewusstsein ist, als auch Alex erinnern sich an die wechselhafte, temperamentvolle Geschichte ihres Kennenlernens und die leidenschaftliche wie toxische Beziehung, die sie führten. Währenddessen versucht der langhaarige Inspektor Netusil (Harvey Keitel) herauszufinden, warum Linden so lange gebraucht hat, Milena ins Krankenhaus bringen zu lassen.
Kritik:
Roeg hat bereits in früheren Filmen bewiesen, dass er
die Technik ebenso verwirrender wie interessanter Montagen beherrscht, und so
entwickelt auch „Black Out“ seine Faszination aus der nicht-linearen Erzählung,
die ausgehend von Milenas Einlieferung ins Krankenhaus beschreibt, wie sich die
junge Blondine an der Grenze zwischen der Tschechoslowakei und Österreich von
ihrem älteren Mann Stefan (Denholm Elliott) verabschiedet, den Ehering,
den er ihr schon abgenommen hat, aber behält. Als sie bei einer Party Alex kennenlernt,
der an der Universität Wien über Wahrnehmung und den archetypischen Beobachter
doziert, entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung, die vor allem auf
leidenschaftlichen Sex fixiert ist, Alex aber bald langweilt, dann will der
eifersüchtige Wissenschaftler Milena aber heiraten, die wiederum ihre Freiheit
bewahren will. Aus dieser Konstellation heraus entwickelt Roeg ein spannendes
Vexierspiel, in dem auch Sigmund Freuds psychoanalytische Schriften
ebenso eine Rolle spielen wie der Fin de Siècle der Wiener Kunstwelt mit den Werken
von Gustav Klimt und Egon Schiele. Die zerstörerische Amour fou
wird durch Art Garfunkel („Catch-22“, „Die Kunst zu lieben“) und Theresa
Russell („Die Hure“, „Eureka“) überzeugend gespielt, aber auch Harvey
Keitel („Bad Lieutenant“, „Das Piano“) macht als fanatischer
Ermittler eine tolle Fugur.


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