Saat des Todes
Nach seinen historischen Dramen „Indochine“, „Eine
französische Frau“ und „Est-Ouest – Eine Liebe in Russland“ war es
für den französischen Filmemacher Régis Wargnier offenbar an der Zeit, sich
zeitgenössischen Stoffen zu widmen. 2007 verfilmte er den Thriller „Fliehe
weit und schnell“ von Fred Vargas und lieferte mit „Saat des
Todes“ ein solides Genre-Werk ab, das allerdings keinen nachhaltigen
Eindruck hinterlässt.
Inhalt:
Der ehemalige Schauspieler und nun als moderner Pariser
Stadtausrufer tätige Joss Le Guern (Olivier Gourmet) liest tagtäglich auf
einem öffentlichen Platz Mitteilungen vor, die er in dem speziellen Briefkasten
gesammelt hat. Darunter befinden sich nun auch mysteriöse Botschaften, die sich
als Warnung vor einer neuen Pestepidemie entpuppen. Währenddessen erstatten mehrere
Bürger bei der Polizei Anzeige, weil auf ihre Tür eine weithin sichtbare,
spiegelverkehrte 4 gemalt wurde. Kommissar Adamsberg (José Garcia) bearbeitet
die Fälle und macht dabei Bekanntschaft mit dem pensionierten Historiker Hervé
Decambrais (Michel Serrault in seiner letzten Rolle), der beim Deuten
des Symbols behilflich ist.
Die Prophezeiung scheint einzutreten. Schon bald wird die
erste Leiche mit schwarzen Malen auf der Haut gefunden. Die Pest wird auch „Der
schwarze Tod“ genannt. Ausgerechnet hinter einer Wohnungstür ohne das
Schreckenssymbol wohnte der junge Mann. Schnell wird klar, warum. Die
spiegelverkehrte 4 diente im Mittelalter dem Schutz vor der todbringenden
Infektionskrankheit. Das Zeichen an den Türen ist stets mit CLT
versehen, ein von Adamsberg befragter Archäologe erkennt dieses Kürzel und
identifiziert es als cito longe tarde, auf Deutsch „fliehe schnell und
weit und kehre nicht zu bald zurück“.
Adamsbergs Kollege wird von Flöhen gebissen, die in einem
Umschlag in der Wohnung des Toten gefunden wurden. Während die Laboranalyse
dieser Parasiten läuft – die Anzucht benötigt sechs Tage – werden
immer mehr Opfer gefunden. Doch dann kann der Laborarzt den Verdacht auf Pest
widerlegen. Curare, ein Pfeilgift, lähmte Zwerchfell und Lunge der Opfer in
Sekundenschnelle. Alle Leichen wiesen eine Einstichstelle im Nacken auf.
Die polizeilichen Ermittlungen sind inzwischen so weit
fortgeschritten, dass ein biografischer Zusammenhang zwischen den Opfern
– bisher sind es fünf – gefunden werden konnte. Alle haben zur selben
Zeit in einem pharmazeutischen Unternehmen im Kongo gearbeitet…
Kritik:
Mit der Verfilmung eines Thriller-Bestsellers der französischen
Autorin Fred Vargas scheint sich Régis Wargnier offenbar auf
sicheres Terrain begeben wollen, allerdings wird er der Romanvorlage mit seinem
zweistündigen Thriller nicht gerecht, der eher als konventionelle
Fernseh-Unterhaltung durchgeht. Mit dem Pest-Thema trifft er allerdings einen Nerv
des Publikums, und tatsächlich gelingt es ihm, die Paranoia um einen Täter, der
im Besitz von Pesterregern sein könnte, anschaulich darzustellen. Aus der interessanten
Ausgangslage machen Wargnier und eine Vielzahl von Co-Autoren aber nicht
viel. Stattdessen verlieren sie sich in der Einführung immer neuer Figuren, die
wenig zur Entwicklung der Geschichte beitragen, aber damit das Potenzial, die
Hauptcharaktere tiefergehend zu betrachten, nicht ausschöpfen. An den
Darstellern – darunter „Indochine“-Star Linh-Dan Pham in ihrem
ersten Auftritt in einem größeren Film seit ihrem gefeierten Debüt – liegt es
nicht, dass „Saat des Todes“ trotz des spannenden Themas so flach
bleibt. Da hätte einfach von der Romanvorlage mehr Qualität transportiert
werden müssen.




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