Die Geisha

Als Arthur Golden nach einem jahrelangen Japan-Aufenthalt 1998 in den USA seinen Debütroman „Memoirs of a Geisha“ veröffentlichte, sicherte sich Steven Spielberg die Rechte an der Verfilmung des Bestsellers, musste aus Zeitgründen aber die Regie an Rob Marshall abgeben, der zuvor durch das sechsfach Oscar-prämierte Musical-Drama „Chicago“ (2002) in aller Munde gewesen ist. Seine Adaption besticht vor allem auf der audiovisuellen Ebene, weniger in der historisch korrekten Aufarbeitung der Geisha-Thematik.

Inhalt:

Die neunjährige Chiyo (Suzuka Ohgo) lebt Ende der 1920er Jahre mit ihren Eltern und ihrer Schwester in einem armen japanischen Fischerdorf und wird, als ihre Mutter sterbenskrank ist, mit ihrer Schwester in das Vergnügungsviertel Gion der alten Kaiserstadt Kyoto verkauft. Während Chiyo in einem Okiya, einem Geisha-Haus, landet, wird ihre nicht ganz so hübsche Schwester in ein heruntergekommenes Bordell gebracht. Die selbsternannte, strenge Mutter des Okiya (Kaori Momoi) entscheidet, dass Chiyo zu einer Geisha ausgebildet werden und von nun an den Namen Sayuri tragen soll. Selbst die erfolgreiche Geisha Hatsumomo (Gong Li) wittert das Potenzial des jungen Mädchens und versucht Sayuris Aufstieg mit allen Mitteln zu verhindern, da sie in ihr eine Konkurrentin für ihre jüngere Schwester Kürbis (Youki Kudoh) sieht. Als Sayuri zu fliehen versucht, hat Hatsumomo ihr Ziel erreicht: Sayuri wird zu einer Dienerin der anderen Geishas heruntergestuft. 
Erst als Chiyo bei einem Fluchtversuch einem wohlhabenden Geschäftsmann (Ken Watanabe) begegnet, der von zwei atemberaubend schönen Geishas begleitet wird und ihr ein süßes Eis ausgibt, fasst sie neuen Mut und brennt fortan darauf, die ihr zugedachte Rolle zu erfüllen. Mit viel Disziplin und der tatkräftigen Unterstützung der Geisha Mameha (Michelle Yeoh) schafft sie schließlich den Aufstieg zur begehrten Gesellschaftsdame Sayuri (Ziyi Zhang). Als Sayuri auf einer Geisha-Schau den Eröffnungstanz vollführt und die Gebote für ihre Entjungferung ins Unermessliche steigen, scheint das Ziel erreicht. Doch dann bricht der Zweite Weltkrieg über Japan herein. Die US-Soldaten bringen die offene Spaßgesellschaft mit in das Land. Die alten Traditionen und damit die Geishas drohen, ihre Bedeutung für immer zu verlieren…

Kritik:

Während Steven Spielberg in seinen Werken stets Achtung vor dem historischen Kontext seiner Geschichten entgegenbringt, geht es Rob Marshall in „Die Geisha“ vor allem darum, der Vorstellung Hollywoods vom exotischen Japan und seinen Gebräuchen gerecht zu werden. Zwar beruft sich die Vorlage des ausgewiesenen Japanologen Arthur Golden auf die Erin­ne­rungen der legen­dären Geisha Mineko Iwasaki, doch Marshall hält sich nicht viel mit den Details zur japanischen Geschichte und zur Geisha-Kultur auf. Hier wird vor allem der Eindruck erweckt, dass Geishas zwar „lebende Kunst“ darstellen, im Kern aber anmutige Edel-Prostituierte sind. Zum Skandal avancierte die Verfilmung von „Memoirs of a Geisha“ vor allem deshalb, weil Marshall die japanischen Geishas durchweg mit chinesischen Darstellerinnen besetzte. So sind die auch in Hollywood äußerst populären Michelle Yeoh („Everything Everywhere All at Once“, „Tiger & Dragon“), Ziyi Zhang („Tiger & Dragon“, „2046“) und Gong Li („Leben!“, „Chinese Box“) ebenso wunderschön anzusehen wie die großartigen Kostüme und Landschaften, doch mit der Lebenswelt der Geishas hat der verkitschte Cinderella-Verschnitt recht wenig zu tun. So sind es vor allem die großartigen Darsteller, John Williams‘ mit der Unterstützung der Solo-Künstler Yo-Yo Ma und Itzhak Perlman entstandene Komposition und die Oscar-prämierten Bilder von Dion Beebe („Into the Woods“, „Collateral“), die „Die Geisha“ sehenswert machen – wenn man über den klischeebesetzten Kontext der Geschichte hinwegsehen mag.

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