Bullets Over Broadway

Es gibt eine ganze Reihe von großartigen Filmen, in denen Woody Allen für Drehbuch und Regie verantwortlich gewesen ist, aber darauf verzichtete, selbst vor der Kamera zu stehen: „Innenleben“ (1978), „Radio Days“ (1987), „September“ (1987), „Eine andere Frau“ (1988) und „Alice“ (1990) sind solche Beispiele. Aber auch 1994 ist Allen mit „Bullets Over Broadway“ ein echtes, sechsfach Oscar-nominiertes Glanzstück gelungen, das ambitioniertes Broadway-Theater und Mafia-Kriminalität in den Roaring Twenties wunderbar unter einen Hut bringt.

Inhalt:

New York in den 1920er Jahren: Während in den Kneipen der Jazz tobt, in den Straßen die Mafia das Sagen hat und in der Theaterbranche junge aufstrebende Autoren Karriere machen, kämpft der ambitionierte Autor David Shayne (John Cusack) darum, am Broadway sein neues sozialkritisches Drama aufführen zu können. Um Geld für sein Projekt aufzutreiben, wendet sich sein Manager an den Mafiaboss Nick Valenti (Joe Viterelli), der das Stück im Alleingang finanziert, dafür dessen Geliebte Olive Neal (Jennifer Tilly) in der Hauptrolle sehen will. Die talentlose Geliebte versteht aber weder den ihr zugedachten Text, noch kann sie ihn auswendig lernen. Aber zum Glück gibt es noch den Gangster Cheech (Chazz Palminteri): Er versteht das Stück besser als alle sonst und arbeitet das Bühnenstück mehrmals um, bis nichts mehr von der Originalidee Shaynes übrig zu bleiben scheint. Shayne muss allerdings anerkennen, dass Cheech sein Stück wesentlich besser gemacht hat. Dafür kämpft er mit anderen Problemen: sein männlicher Hauptdarsteller (Jim Broadbent) schlägt sich beim Catering so die Wampe voll, dass er schließlich in ein Korsett gezwängt werden muss, und Shayne verliebt sich in die heruntergekommene und alkoholabhängige Hauptdarstellerin Helen Sinclair (Dianne Wiest), während seine eigene Freundin Ellen (Mary-Louise Parker) sich ebenfalls anderweitig herumtreibt…

Kritik:

Woody Allen geht mit in „Bullets Over Broadway“ hart mit seinesgleichen ins Gericht. Zusammen mit Co-Autor Douglas McGrath („Saturday Night Live“, „Nicholas Nickleby“) fackelt Allen ein wahres Feuerwerk an spritzigen Gags ab, die das abgehobene Gebaren von Künstlern zur Farce werden lässt. Das wird nicht nur in der in jeder Sekunde aufgesetzt wirkenden Liaison zwischen Shayne und der alternden Diva Helen Sinclair überdeutlich, sondern auch an der Tatsache, dass ein wenig gebildeter Leibwächter und Mafia-Killer wirklich versteht, worum es in Shaynes Stück geht, und dieses in verständliche Sprache formt, dass es das Publikum auch versteht. „Bullets Over Broadway“ ist voller lebendiger, sorgfältig gezeichneter Figuren, die wie Karikaturen des Showbusiness wirken. Wenn sich die Bohemians darüber unterhalten, ob sich die Frauen in den Künstler oder in den Mann verlieben, sagt das viel über ihr Selbstverständnis von Männern aus, die sich für ihre Kunst auch prostituieren. Aber auch die Mafia-Komponente ist sorgfältig in den Plot eingewebt und verleiht dem Film seinen besonderen Reiz, wenn nervige Figuren einfach aus dem Spiel genommen werden. Neben John Cusack („High Fidelity“, „Zimmer 1408“) als überheblicher Autor sind es vor allem Dianne West (die für ihre Leistung mit einem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde) und Jennifer Tilly („Die fabelhaften Baker Boys“, „Bound - Gefesselt“), die den stärksten Eindruck in dieser pointierten Komödie hinterlassen.

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