Schon Klassiker wie „Casablanca“, „Doktor Schiwago“
oder „Vom Winde verweht“ haben große Liebesgeschichten vor historischem Hintergrund,
oft auch vor exotischer Kulisse erzählt. In diese Tradition fügt sich auch Régis
Wargniers opulentes, zweieinhalbstündiges Kolonialdrama „Indochine“ ein,
das vorzüglich fotografiert und gespielt ist, inhaltlich aber recht zäh inszeniert
ist.
Inhalt:
Im Vietnam der 1930er Jahren führt die Französin Eliane
Devries (Catherine Deneuve) ein abgeschirmtes und mondänes Leben in der
französischen Kolonie Indochina. Dort leitet sie mit strenger Hand die riesige
Kautschukplantage ihres Vaters. Sie adoptiert die kleine Camille, eine
ehemalige Prinzessin, nach dem Tod ihrer Eltern und vergrößert so ihren Besitz
an Kautschuk-Plantagen beträchtlich. Ihre innige Beziehung wird aber auf eine
harte Probe gestellt, als die mittlerweile 16-jährige Camille (Linh Dan Pham)
sich in den jungen Marineoffizier Jean-Baptiste (Vincent Perez) verliebt,
der im Zuge der Aufstände gegen die Kolonialherren nach Saigon geschickt wurde,
denn auch Eliane hatte bereits eine leidenschaftliche Beziehung mit dem attraktiven
jungen Mann. Camille, die inzwischen gegen ihren Willen mit ihrem Cousin Tanh (Eric
Nguyen) verheiratet wurde, trauert dem Offizier jedoch noch immer
hinterher. Ihr einziger Ausweg scheint die Flucht aus der Welt der
Kolonialherren. Sie verlässt Eliane wegen Jean-Baptiste, gibt damit das
luxuriöse Leben als Alleinerbin einer der größten Kautschukplantagen Vietnams
auf und schließt sich einer kommunistischen Widerstandsbewegung an…
Kritik:
Man kann Régis Wargnier nicht vorwerfen, dass er die
historischen Hintergründe mit dem Engagement der Franzosen in Indochina nicht
berücksichtigt. Die Unruhen, bei denen nationalistische und kommunistische
Interessen im Mittelpunkt stehen und die die brutale Ausbeutung des
vietnamesischen Volkes durch die Kolonialmacht offenlegt, sind der treibende
Motor einer vielschichtigen Liebesgeschichte, bei der zunächst die französische
Plantagenbesitzerin Eliane Devries im Mittelpunkt steht, die dann aber im
Verlauf der Geschichte die Rolle einer Erzählerin übernimmt, die über das
Schicksal ihrer Adoptivtochter Camille berichtet. Dass beide Frauen trotz ihres
immensen Altersunterschieds denselben Mann lieben, mutet etwas unglaubwürdig
an, doch ist dies natürlich der Stoff für ein großes Drama, das vor den
gewaltigen Unruhen im Land aber zu verblassen droht. Daher vernachlässigt Wargnier
die explosive Sprengkraft der gesellschaftlichen Unruhen und rückt Camilles
Schicksal zunehmend in den Vordergrund. Am Ende sind es aber die berauschend
schönen Bilder, Patrick Doyles farbenfroher Score und die
Schauspielleistungen der Grand Dame Deneuve und der Debütantin Linh
Dan Pham, die „Indochine“ im Gedächtnis bleiben lassen.
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