East of Eden

John Steinbeck soll seinen 1952 veröffentlichten Roman „East of Eden“ selbst als sein Opus magnum bezeichnet haben und gelangte 1955 vor allem durch die erfolgreiche, vierfach Oscar-nominierte Verfilmung von Elia Kazan mit James Dean in seiner ersten seiner berühmten Hauptrollen zu internationaler Popularität. Während Kazan jedoch mit „Jenseits von Eden“ nur das letzte Viertel des Romans berücksichtigte, hat seine Enkelin Zoe Kazan für die Serienadaption im Auftrag von Netflix ganze sieben Stunden Zeit, die komplette Handlung zu adaptieren, wobei sie interessanterweise eine Frau in den Mittelpunkt der Geschichte stellte.

Inhalt:

Nachdem die junge Cathy Ames (Florence Pugh) ihre Eltern ermordete und ihre Beziehung zu dem Zuhälter Edwards für sie nicht so glimpflich verlief, kriecht sie schwer verletzt zur Farm der beiden Halbbrüder Charles (Mike Faist) und Adam Trask (Christopher Abbott). Während Adam sich sofort um die bedürftig erscheinende Frau kümmert und sich in sie verliebt, hält der skeptische Charles das Bemühen seines Bruders für keine gute Idee, schließlich wissen sie nichts über die fremde Frau. Charles‘ Bedenken scheinen sich zu bestätigen, als Cathy nach der Heirat mit Adam und der Geburt der Zwillinge Caleb und Aron die Familie verlässt, Adam sogar schwer verwundet und unter ihrem neuen Namen Kate Albey die Leitung eines Bordells in Salinas übernimmt, nachdem sie deren Vorbesitzerin Fay langsam vergiftet hatte. Adam ist seit der Trennung von Cathy wie paralysiert, überlässt die Erziehung seiner Kinder dem chinesisch-stämmigen, aber in Amerika geborenen Diener Lee (Hoon Lee) und entwickelt erst wieder Lebenswillen und Geschäftssinn, als seine Söhne erwachsen werden und ihm beim Aufbau einer Eisfabrik zur Hand gehen. Doch den Konflikt zwischen dem streb- und folgsamen Aron (Joe Anders) und dem eigensinnigen Cal (Joseph Zada) verstärkt er dadurch nur…

Kritik:

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass sich Zoe Kazan als Enkelin ihres berühmten Vaters eher auf die weibliche Hauptrolle in John Steinbecks Roman fokussiert als auf die beiden Brüderpaare, die in biblischer Tradition die Kain-und-Abel-Rivalität wiederaufleben lassen. Während James Dean in „Jenseits von Eden“ noch im Mittelpunkt als rebellischer Sohn fungierte, der um die Anerkennung seines Vaters kämpfte, ist es nun die auf ihr eigenes Wohl fokussierte Cathy, die den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte von „East of Eden“ verkörpert. Dabei wird auch der Schwerpunkt der Erzählung auf die patriarchalischen Machtverhältnisse zum Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg verlegt, unter den Cathy alias Kate zunächst zu leiden hat, um schließlich mit eisernem Willen ihren eigenen Weg zur Selbstbestimmung zu verfolgen. Florence Pugh („Little Women“, „Dune: Part Two“) ist eine echte Naturgewalt, die ihrer Figur die nötige Präsenz verleiht, um die Serie auf ihren Schultern zu tragen, was allerdings auch dazu führt, dass die vielen männlichen Haupt- und Nebenfiguren dagegen zu verblassen drohen. Hier gelingt es allein Christopher Abbott als verlassener Ehemann und alleinerziehender Vater Adam, Ciarán Hinds als väterlicher Freund Samuel sowie Hoon Lee als chinesisch-stämmiger Diener etwas Kontur zu gewinnen. Showrunnerin Zoe Kazan ist so mit „East of Eden“ eine Serie gelungen, die ein gelungenes Mehrgenerationenportrait mit deutlich biblischen Verweisen darstellt, das wunderbar gespielt und eindringlich inszeniert ist, aber kaum die Qualitäten des James-Dean-Klassikers erreicht.

Kommentare

Beliebte Posts