Eine der verlässlichsten Zutaten in den Filmen des New
Yorker Stadtneurotikers Woody Allen ist der Jazz, der maßgeblich zur
musikalischen Untermalung von Allens oft feinsinnig-melancholischen bis sarkastisch-bissigen
Werken herangezogen wird. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis der Jazz-Liebhaber
dieser Musik ein eigenes Denkmal widmet. Mit „Sweet and Lowdown“ (1999) hat
er eine fiktive Musikerbiografie eines Zeitgenossen des großen Django
Reinhardt erschaffen und damit die Musik zur Hauptrolle des Films gemacht.
Inhalt:
In den 1930er Jahren gilt Emmet Ray (Sean Penn) nach
seinem selbsternannten Idol Django Reinhardt als zweitbester Gitarrist der Welt.
Der selbstverliebte Musiker lebt nur für seine Kunst. Er liebt die Frauen,
braucht sie aber nicht. Mit Vorliebe beobachtet er mit ihnen Güterzüge, schießt
mit ihnen auf Ratten, die sie auf Mülldeponien aufspüren, und zieht sie in seine
Betten. Ihm ist es ganz recht, dass der Zigeuner-Gitarrist Reinhardt in Europa
verweilt, denn regelmäßig bekommt Ray das große Schlottern, wenn er seinem Idol
begegnet. So ist er jedes Mal in Ohnmacht gefallen, als er Reinhardt in
Frankreich und in Deutschland begegnet war. Als er bei einem auswärtigen Gig
die stumme und geistig zurückgebliebene Hattie (Samantha Morton) kennenlernt,
hält das den beziehungsphobischen Musiker nicht davon ab, mit ihr ein
Verhältnis anzufangen. Doch da es den exzentrischen Playboy nicht lange an
einem Ort und schon gar nicht bei einer Frau hält, flüchtet Ray schon in die
nächste Beziehung und landet in den Armen der Möchtegern-Schriftstellerin
Blanche (Uma Thurman), während er die Clubbesitzer regelmäßig zur
Weißglut treibt, weil der bankrotte Musiker entweder zu spät, betrunken oder
gar nicht zu seinen Auftritten erscheint…
Kritik:
Autor und Regisseur Woody Allen tritt in „Sweet
and Lowdown“ nur als Jazz-Experte auf, der einleitend und zwischendurch mit
anderen Experten wie DJs, Journalisten und Buchautoren Episoden aus Emmet Rays
Leben und Wirken anreißen. Die Mockumentary widmet sich dem fiktiven
Jazz-Gitarristen, der abgesehen von seiner Kunstfertigkeit an der Gitarre und seiner
Großzügigkeit, die ihn regelmäßig in den Ruin treibt, keine liebenswerten
Eigenschaften besitzt. Episodenhaft führt uns Allen vor, wie sein
Protagonist die Frauen, denen er nachstellt, wie unnütze Dinge behandelt, die
er als Kleptomane regelmäßig in die Tasche steckt, um sie wenig später wieder
wegzuschmeißen. So wenig Ray über Gefühle für seine Mitmenschen verfügt, so
sehr geht er auf der anderen Seite in der Musik auf, die er gelegentlich auch
im Studio aufnehmen kann. Während der Charakter keine Entwicklung durchmacht
und Abwechslung nur durch die unterschiedlichen Frauen, mit denen er eine Beziehung
einhergeht, erfährt, ist Allen doch ein liebevoll gezeichnetes Portrait
der Jazzmusik jener Zeit gelungen, das vor allem die Atmosphäre in den Clubs
wunderbar einfängt.
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